20.10.2018

Bayars Böcke halten Derby lange offen - Fotos

Hessenliga: Barockstadt schlägt Flieden 4:2

Aykur Bayar (links), der hier Taras Zaviiskyi vor dem 1:1 foult, war der Unglücksrabe bei der siegreichen SGB. Foto: Kevin Kremer

Trotz knappen Resultats hat das erste Hessenligaderby zwischen der SG Barockstadt Fulda-Lehnerz und dem SV Flieden in der Heimmannschaft einen verdienten Sieger gefunden: Die keinesfalls übermächtige SGB fuhr in einem umkämpften, allerdings nur mittelklassigen Duell vor 1200 Zuschauern einen 4:2 (2:1)-Erfolg gegen die Buchonia um ihr neues Trainerduo ein, die mit einigen Umstellungen aufwartete, aber selten in der Lage war, dem großen Lokalrivalen Paroli zu bieten. Zwei dicke Bolzen von Barockstadt-Keeper Aykut Bayar hielten Flieden aber stets im Spiel.

Mit Spannung waren vor dem Spiel die Aufstellungen beider Seiten erwartet worden: Bei der Barockstadt hütete erstmals Aykut Bayar den Kasten, dazu waren Benjamin Trümner und dessen Namensvetter Fuß für Marcel Mosch und Niklas Odenwald in die Startformation gerutscht. Außerdem stand Alexander Reith nach vielen Wochen erstmals wieder im Kader der SGB. Bei Flieden hatten die Interimstrainer Sascha Gies und Andreas Drews die prägnanteste Veränderung im Hinblick auf das System vorgenommen: Hinten verteidigten die Buchonen im Spiel eins nach Meik Voll mit drei Innenverteidigern (Bartel, Pfeiffer und Zeller), in der Defensivbewegung rückten zudem Rumpeltes und Leibold mit nach hinten. Personell hielten sich Überraschungen bei den Buchonen ansonsten in Grenzen.

Von Anfang an war Flieden gewillt, den Fuldaern über eine robuste Zweikampfführung und ein mal mehr, mal weniger konsequentes Pressing den Schneid abzukaufen: André Leibold hatte nach zwei Minuten die erste Möglichkeit für die Gäste nach einem Standard, allerdings hatten die Fliedener in der Defensive Probleme, mit dem Tempo der Barockstadt, insbesondere von Patrick Broschke, Schritt zu halten. Mit der ersten richtigen Chance im Spiel ging das Heimteam dann auch in Führung: Ein präziser langer Ball von Gröger reichte, um die Fünferkette der Gäste zu überspielen, Christopher Bieber spritzte im Zentrum in den Ball und traf mit Hilfe der Unterkante der Latte zur frühen Führung (9.).

Flieden hatte danach große Mühe, sich zu berappeln, zudem mussten die Buchonen schon ganz früh zweimal wechseln, weil sich der gerade erst genesene Marc Röhrig und Leibold eine muskuläre Verletzung am Oberschenkel zuzogen. Wie aus dem Nichts kamen die Fliedener daher auch zum Ausgleich: Bayar hatte sich beim Fernschuss von "Joker" Christian Bohl einen Lapsus geleistet, ließ den Ball nach vorne prallen und foulte den aufmerksamen Taras Zaviiskyi, der auf den zweiten Ball gegangen war, elfmeterreif. Der Ex-Lehnerzer Kemal Sarvan ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen, seinen ehemaligen Kollegen den Ausgleich einzuschenken (27.).

Reith gibt sein Saisondebüt

Kaum, dass das Fuldaer Publikum - knapp 1200 Zuschauer bildeten bei top Bedingungen eine gute Derbykulisse - wieder mal seinem Unmut Luft verschaffen konnte, lag die Barockstadt schon wieder in Front, ebenfalls durch einen Foulelfmeter. Unnötig, wie Interims-Spielertrainer Drews den auf- und davonziehenden Leon Pomnitz quasi auf der Linie des Sechzehnmeterraumes zum Fallen brachte. Pomnitz selbst steuerte souverän den erneuten Führungstreffer bei (30.). In der Folge war die Barockstadt weiterhin das tonangebende Team, verbuchte mehr Ballbesitzanteile und versuchte immer wieder, Broschkes Schnelligkeit entsprechend einzusetzen. Bei den Fliedenern hingegen machte sich bemerkbar, dass die Dreierkette im Königreich nicht unbedingt etabliert ist, auch die Zwischenräume zwischen Innenverteidigern und Sechsern waren teilweise viel zu groß - ein gefundenes Fressen für Pomnitz.

So fiel es den Buchonen weiterhin schwer, richtig Zugrif zu bekommen. Viele Fouls waren bisweilen vonnöten, generell hatte Referee Tobias Vogel viel zu tun, fünf Gelbe Karten zur Pause sprachen Bände. Dazu machte es sich das Kellerkind durch viele Fehler im Aufbau immer wieder selbst schwer, was sich auch nach der Pause nicht änderte. Hatte Flieden nach 56 Minuten noch Glück, dass Dennis Müller nur die Latte traf, so hatte das Spiel zwei Minuten später die scheinbar vorentscheidende Szene zu bieten: Erst flog Niko Zeller nach einer unglücklichen Aktion gegen Broschke mit Gelb-Rot vom Feld, der daraus resultierende Freistoß von Pomnitz von halbrechts fand keinen Abnehmer, wurde immer länger - und landete schließlich neben Keeper Lukas Hohmann im Fliedener Tor - 3:1.

Fast schon grotesk, dass die so vermeintlich klar überlegene Barockstadt den verdienten Dreier am Ende fast noch verpasst hätte. Doch ein zu sorgloser Umgang bei aussichtsreichen Gelegenheiten vorne und ein erneuter dicker Bock von Aykut Bayar sogten dafür, dass es noch einmal richtig spannend wurde: Der "Springfloh" im Fuldaer Tor erwischte einen bitterbösen Tag, als er zwölf Minuten vor Schluss Taras Zaviiskyi einen eigentlich harmlosen Ball direkt in die Füße spielte und der Ukrainer artig "Danke" sagte. Am Ende aber sollte für die Fuldaer reichen, weil der eingewechselte David Wollny quasi mit Abpfiff den Endstadt von 4:2 besorgte. So durfte unter anderem Alexander Reith nach dem für die Barockstadt erlösenden Abpfiff die Hände in die Höhe strecken. Der Wirbelwind feierte sein Saisondebüt in der Hessenliga, hatte aber keine entscheidenden Aktionen mehr.

Die Statistik:

SG Barockstadt Fulda- Lehnerz: Bayar - Fuß, Gröger, Torcuatro, Hillmann - Schaaf, Müller - Broschke (90.+2, Mosch), Pomnitz, Trümner (63. Wollny) - Bieber (76. Reith)
SV Buchonia Flieden: L. Hohmann - Bartel, Pfeiffer, Zeller - Leibold (21. Götze), Drews, Sarvan (84. Hack), Rumpeltes - Zaviiskyi - Röhrig (19. Bohl), Schaub.
Schiedsrichter: Tobias Vogel (Frankfurt).
Zuschauer: 1200.
Tore: 1:0 Christopher Bieber (9.), 1:1 Kemal Sarvan (27., Foulelfmeter), 2:1, 3:1 Leon Pomnitz (30., Foulelfmeter, 59.), 3:2 Taras Zaviiskyi (78.), 4:2 David Wollny (90.+1).
Gelb-Rote Karte: Niko Zeller (58., Flieden).

Autor: Christian Halling

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