09.10.2018

Fall Weilmünster endet mit Vergleich

"Reputation wieder hergestellt"

Jürgen Weilmünster (rechts) und sein Anwalt Tom Reinhard waren mit dem Ergebnis der Verhandlung sehr zufrieden. Foto: Christian Halling

Der Fall Jürgen Weilmünster ist zu den Akten gelegt: Das Verfahren gegen das Hattendorfer Vorstandsmitglied Wolfgang Schweiner, gegen den die Staatsanwaltschaft Gießen Klage wegen Körperverletzung erhoben hatte, wurde am Dienstagvormittag vor dem Amstgericht Alsfeld eingestellt. Die Parteien einigten sich auf einen Vergleich.

Kern der Anklage war der Vorwurf an Schweiner (57), den Großenlüderer Schiedsrichter im Anschluss an das Spiel der A-Liga Alsfeld zwischen Hattendorf und Schwalmtal (1:2) am 21. April 2017 geschlagen zu haben. Weilmünster (54) und sein Anwalt, Jörg-Thomas „Tom“ Reinhard, waren als Nebenkläger zur Verhandlung erschienen.

Der Sachverhalt konnte in der Verhandlung nicht endgültig aufgeklärt werden, sodass seitens der Richterin Sophia Jansen-Matthies kein Urteil gefällt wurde. Der Angeklagte Wolfgang Schweiner muss jedoch 5000 Euro zahlen, 1500 Euro davon als Schmerzensgeld an Jürgen Weilmünster, 3500 Euro an die Tafel in Lauterbach. Zudem hat das Hattendorfer Vorstandsmitglied die Kosten der Nebenklage zu tragen.

Schweiner sollte laut Anklage nach Abpfiff des hektischen Spiels mit drei Platzverweisen Weilmünster in dessen Schiedsrichterkabine aufgesucht und zweimal geschlagen haben. Laut ärztlichem Attest hatte Weilmünster seinerzeit ein Schädel-Hirn-Trauma sowie eine Schläfenprellung erlitten. Schweiner bestritt diese Vorwürfe vor Gericht, er habe lediglich eine verbale Auseinandersetzung mit dem Schiedsrichter ausgetragen. „Herr Weilmünster hatte sich während des Spiels sehr arrogant gegenüber den Spielern verhalten und in der zweiten Hälfte unterirdisch gepfiffen. Ich habe ihm nur gesagt, dass er Blödsinn gepfiffen hat.“

Im Anschluss wurden neben Weilmünster, der betonte, dass ihm mit der Faust einmal ins Gesicht und einmal vor die Brust geschlagen wurde, nur noch zwei der insgesamt acht geladenen Zeugen verhört. Es handelte sich um den Hattendorfer Schiedsrichterbetreuer Heinz Gies und den Spieler Tim Degenhardt, der am besagten Tag Kabinendienst hatte. Gies hätte Weilmünster zur Schiedsrichterkabine begleitet, Degenhardt diese aufgeschlossen, ehe Gies wieder nach draußen und Degenhardt in die Heimkabine in Sichtweite zum Schiedsrichterraum gegangen sei, ehe dort anschließend Schweiner aufgeschlagen habe. Eine Auseinandersetzung sei entbrannt, die beide wahrgenommen hätten, sodass sie wieder zur Schiedsrichterkabine zurückgekehrt seien.

Hattendorfer Zeugen widersprechen sich

So weit, so gut. Widersprüchlich wurde das Hattendorfer Duo allerdings im Hinblick auf die Distanz zwischen Schweiner und Weilmünster während der Auseinandersetzung. Gies sprach von einem halben Meter, Degenhardt von zwei bis drei Metern. Der seinerzeit verletzte Spieler Degenhardt wollte überdies gehört haben, dass Weilmünster Wolfgang Schweiners Namen anschließend in den Mund genommen habe, während Gies darauf bestand, dass er von Weilmünster gefragt wurde, wie denn der Name des „Angreifers“ gewesen sei. Gies habe daraufhin erst einmal nichts gesagt, „um die Situation zu beruhigen.“ Weilmünsters Anwalt Tom Reinhard befand, „dass Sie, Herr Gies, wohl ihrer Verpflichtung als Schiedsrichterbetreuer an diesem Tag nicht richtig nachgekommen sind.“

So war klar, dass Teile der Zeugenaussagen nicht der Wahrheit entsprechen. Amtsanwalt Rainer Angermüller schlug vor, das Verfahren einzustellen. Nach halbstündiger Unterbrechung stimmten Schweiner und sein Anwalt Oliver Koch dem Vorschlag zu. Richterin Jansen-Matthies erklärte, „dass die Schuld des Angeklagten, wenn überhaupt, als gering anzusehen ist und wieder der schöne Sport im Vordergrund stehen soll.“ Der Vergleich war am Ende auch vermutlich die beste Lösung, um die Zeugen zu schützen.

„Besser konnte es nicht laufen, die Reputation von Jürgen ist wiederhergestellt“, war Weilmünsters Anwalt Tom Reinhard hochzufrieden, während Weilmünster froh ist, „dass die Sache durch ist. Hätte sich Schweiner unmittelbar nach der Geschichte bei mir entschuldigt, wäre es auch nie so weit gekommen.“ Am Ende gaben sich die beiden Streithähne versöhnlich die Hand.

Autor: Christian Halling

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