17.09.2018

Wirbel in Frankfurt nach dubioser Kreispokal-Wette

HFV sind die Hände gegen die Anbieter gebunden

Illustration: dpa/Martin Gerten

Der Frankfurter Amateurfußball befindet sich in Alarmbereitschaft, seitdem in der vergangenen Woche ein weltweit operierendes britisches Glücksspiel-Unternehmen zwei Partien der zweiten Runde des Frankfurter Kreispokals auf sein Wettprogramm gesetzt hat. Dies sorgte allenthalben für Konfusion und Ablehnung. Kreisfußballwart Rainer Nagel sieht derweil keine Möglichkeit, gegen den ausländischen Wettanbieter vorzugehen.

Bislang war es üblich, auf Fußballspiele in Deutschland bis zur 5. Liga zu wetten. Unterhalb der Hessenliga waren bis dato noch keine Wettangebote dieser Art bekannt geworden. Doch nun tauchten in der vergangenen Woche die Partien Spvgg. 02 Griesheim - Rot-Weiss Frankfurt und FG Seckbach - SG Harheim im Online-Wettangebot der Engländer auf. Mit der Möglichkeit, mit feststehenden Quoten auf das exakte Resultat zu wetten. "Das ist grenzwertig und bedeutet für uns Neuland", nimmt Nagel Stellung zum dubiosen Sachverhalt, den er sofort nach Bekanntwerden an die zuständige Stelle des Hessischen Fußball-Verbandes weitergeleitet hat. "Leider sind uns die Hände gebunden und wir können in keinster Weise dagegen vorgehen. Es gibt nach Rücksprache mit dem HFV keine Möglichkeit, gegen diese Wetten Einspruch zu erheben", schildert Nagel entsetzt. Allerdings habe der Verband zugesichert, in dieser Angelegenheit Kontakt mit dem Deutschen Fußball-Bund aufnehmen zu wollen.

Alles nur ein Zufall oder erst der Anfang einer neuen Entwicklung? Bedenklich ist das neu entstandene Phänomen allemal. Wetten – und da dürfte es wohl kaum zwei Meinungen geben – haben im unteren Amateurfußball gar nichts verloren. Zu groß ist die Gefahr einer möglichen Manipulation, obwohl in Seckbach am Donnerstagabend so weit alles regulär ablief. Aber wer kann ausschließen, dass demnächst ein Unbekannter eine Summe X auf ein bestimmtes Ergebnis setzt, die beiden Teams dann davon in Kenntnis setzt und beiden Mannschaften einen prozentualen Anteil des Gewinns in Aussicht stellt?

Nagel will den Sachverhalt nicht überdramatisieren: "Problematisch wird es nur dann, wenn der Wettanbieter irgendwann auf die Idee kommt, auch Ligaspiele anzubieten und es dann in der Endphase der Saison um Auf- und Abstieg geht." Beim 3:0-Sieg von Gruppenligist Seckbach gegen A-Ligist Harheim war die Online-Wette jedenfalls Gesprächsthema Nummer eins. Ein extra für die Partie entsandter Beobachter hatte sich auf der Bezirkssportanlage unter die 75 Besucher geschmuggelt und übermittelte seinem Auftraggeber den Spielverlauf telefonisch in englischer Sprache mit Kurzcodes wie „Home attack“, „Away danger“ oder „Home free kick is taken“.

Balzer: "Ein Unding! Alle sollten sich dagegen wehren"

"So etwas habe ich noch nie erlebt", fauchte schon vor dem Anpfiff SGH-Trainer Christian Balzer, der fast 15 Jahre in der damaligen Oberliga Hessen kickte. "In unteren Amateurklassen sind Wetten ein Unding. Das gehört sich nicht. Ich bin der Meinung, dass sich alle dagegen wehren sollten, weil das zu Manipulationen führen kann. Gerade hier im Frankfurter Bereich könnten sich Mannschaften kurz absprechen, eine Summe setzen. Wer will das nachverfolgen? Ich finde es eine Frechheit, dass bei einem Kreispokalspiel gewettet werden kann. In der Hessenliga kann man das noch akzeptieren, aber in unteren Klassen geht das gar nicht", machte der 44-jährige deutlich.

Balzer hofft auf Intervention durch den Verband: "Da muss sich der HFV einschalten und das unterbinden. Wir wollen keine Manipulationen in unserem Fußball. Wenn so etwas kommt, dass mittags Quoten geschickt werden und sich die Spieler untereinander kennen, dann tippen die auf ein 4:1 und spielen dann 4:1. Das ist ein Unding! Dass noch jemand hier vor Ort ist und einen Live-Ticker nach England macht, das ist eine Schande für diesen Sport“, polterte Balzer. Etwas moderater, aber genauso ungläubig äußerte sich Seckbachs Trainer Torsten Spahn: "Es gibt nichts, was es nicht gibt im Fußball. Allgemein wird alles immer abstruser und absurder. Das sind lauter Sachen, die meiner Meinung nach im Fußball nichts zu suchen haben. Anscheinend müssen wir uns den Zeiten anpassen. Ich bin gespannt, wie das weitergeht. Noch sind wir fassungslos, weil es wie ein Scherz klingt. Offensichtlich ist aber etwas Wahres dran, aber ich hoffe nicht, dass dieses Szenario nun zur Regel wird."

Rainer Nagel will nun das Wettprogramm von der britischen Insel in den nächsten Tagen studieren, um zu sehen, ob die Pokalpartie Oberrad - Hausen am kommenden Dienstag auch auftaucht. Erst danach könne man in etwa absehen, ob das Ganze nur ein dummer Zufall gewesen sei oder man nun regelmäßig mit Wettangeboten im unterklassigen Amateurfußball rechnen müsse.

Autor: Pedro Acebes

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