18.08.2017

"Wir werden nicht den Verstand verlieren"

Markesic und Stadtallendorf mischen die Regionalliga auf

Ante Markesic ist seit Sommer in Stadtallendorf. Foto: Friedhelm Eyert

Für viele Experten vor der Saison bereits ein sicherer Absteiger - nach drei Spieltagen plötzlich mit sieben Punkten auf dem Konto Tabellenzweiter in der Regionalliga Südwest: Der TSV Eintracht Stadtallendorf mit Co-Trainer Ante Markesic mischt zurzeit die vierte Liga so richtig auf.

Die Mittelhessen lassen sich momentan von der Euphorie tragen. Waren beim ersten Heimspiel der Saison gegen Röchling Völklingen (5:3) mehr als 2000 Zuschauer im Herrenwaldstadion, wird am Samstag (14 Uhr) zuhause gegen den Traditionsverein Stuttgarter Kickers mit einer noch größeren Kulisse gerechnet. "Wir wollen die Euphorie so lange wie möglich mitnehmen und uns von dieser tragen lassen. Geht es nach mir, kann es die nächsten Wochen so weitergehen", erklärt Markesic, dem aber keineswegs der Sinn für die Realität abhanden gekommen ist. "Für uns war wichtig zu sehen, dass wir mithalten können, wenn alle Spieler bereit sind, an ihr Limit zu gehen. Unser großes Plus ist die mannschaftliche Geschlossenheit und die Tatsache, dass die Jungs immer ein Prozent mehr als nötig geben. Wir glauben an den Klassenerhalt", verdeutlicht der frühere Trainer des SV Steinbach und des SVA Bad Hersfeld.

Denn anders als die meisten Vereine in der Regionalliga Südwest setzt Stadtallendorf nicht auf professionelle Strukturen. Trainer Dragan Sicaja bittet in der Regel viermal die Woche zum Training, dazu gehen abgesehen von Tomislav Baltic und Israel Suero alle Spieler hauptamtlich einem Beruf nach. "Wir werden nicht den Verstand verlieren und wissen, worauf wir uns einlassen. Erfolg können wir nur im Kollektiv haben", weiß Markesic. So sei es unabdingbar, dass die Spieler offen für Dinge wie Ernährung oder Athletiktraining seien. Dazu reise die Mannschaft bei weiten Auswärtsspielen wie zuletzt in Freiburg einen Tag früher an. "Wir müssen an vielen Kleinigkeiten arbeiten, um unser Niveau anzuheben. Man darf nicht vergessen, dass im ersten Spiel in Elversberg (0:0, Anm. d. Red.) neun Spieler aus der Startformation schon in Stadtallendorf gespielt haben", sagt Markesic, der erfreut feststellt, "dass die Mannschaft Charakter hat. Alle Spieler leben für den Fußball."

Großen Spaß bereite dem A-Lizenz-Inhaber die Zusammenarbeit mit seinem kroatischen Landsmann Dragan Sicaja, von dem er in den höchsten Tönen schwärmt: "Dragan hat überragende Arbeit geleistet und nicht nur einen fantastischen Kader zusammengestellt, sondern auch dafür gesorgt, dass die Mannschaft dazu in der Lage ist, das hohe Tempo in der Regionalliga über 90 Minuten zu gehen." Weil Markesic und Sicaja sich schon seit Jahren kennen, verlaufe die Zusammenarbeit reibungslos und genauso, wie es sich der 47-Jährige vorgestellt hatte. "Wir betreiben einen großen Aufwand, versuchen uns den Gegner immer wenn möglich vor Ort anzuschauen und legen dann Woche für Woche einen Plan zurecht, wie wir diesen bespielen möchten. Bislang klappt das sehr gut", freut sich Markesic.

Wofür der Aufsteiger den Aufwand betreibe, werde spätestens wieder am Samstag deutlich. "Was gibt es schöneres im Fußball, als in einem Stadion vor großer Kulisse mit toller Stimmung zu spielen? Dafür nehme ich die 45 Minuten Fahrt von Bad Hersfeld nach Stadtallendorf gerne in Kauf", verdeutlicht der Co-Trainer, der in den kommenden Wochen allerdings auf Routinier Daniel Vier verzichten muss. Der 35-jährige Ex-Profi hat sich einen Sehnenriss zugezogen und muss sechs bis sieben Wochen pausieren. "Der Ausfall tut uns weh", weiß Markesic, der den Verletzten über das Kollektiv ersetzen möchte.

Autor: Max Lesser

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