02.11.2017

Tore im Nationaldress, Transferangebote und Schnullerjubel

Rapid Wiens Louis Schaub (22) im Interview

Louis Schaub und sein Schnullerjubel. Sein Tor widmete er seinem Sohn. Foto: GEPA pictures Wien Energie

Louis Schaub, Halbbruder von Buchonia Fliedens Angreifer Fabian, macht derzeit wieder Schlagzeilen. Der 22-jährige offensive Mittelfeldspieler des österreichischen Bundesligisten Rapid Wien konnte zuletzt vor allem in der Nationalmannschaft auftrumpfen: Drei Länderspieltore in fünf Partien haben den gebürtigen Fuldaer wieder in den Fokus der großen Clubs gerückt. Im Interview spricht Schaub über seine Leistungen im ÖFB-Dress, die verpasste WM-Qualifikation, Vaterfreuden und seinen derzeitigen Umgang mit Angeboten.

Drei Treffer in fünf Partien der WM-Qualifikation - in den Länderspielen hast du zuletzt aufgetrumpft. Wie bewertest du deine dortigen Leistungen?

Louis Schaub mit seinem "Glücksbringer", Söhnchen Nino. Foto: Facebook/Louis Schaub - the official fanpage

Louis Schaub: Stimmt, da und dort sind mir jetzt Tore gelungen. Mich freut das sehr, aber wichtiger ist es, dass damit uns als gesamtes Team geholfen wurde. Der Mannschaftserfolg steht immer im Vordergrund. Ich denke, für jeden Fußballer ist es eine Ehre, im Nationalteam seines Landes stehen zu dürfen.

Die WM-Qualifikation wurde verpasst, Teamchef Marcel Koller musste seinen Hut nehmen. Wie schmerzlich und vermeidbar war das Aus, und wie blickst du nun aus Sicht des Nationalteams in die Zukunft?

Natürlich war das Ausscheiden schmerzhaft für uns alle. Allerdings muss man auch sagen, dass die Erwartungshaltung eine sehr große war, nachdem Österreich im vergangenen Jahr bei der EM 2016 in Frankreich vertreten war. Nun hat man aber die Möglichkeit, auch mit einem neuen Trainer, neue Reize zu setzen und vielleicht auch den Kader etwas zu ändern. Das war schon in den letzten beiden Qualifikationsspielen zu sehen, wo viele junge Spieler ihre Chance bekommen haben.

In der Bundesliga verlief der Saisonstart von Rapid durchwachsen. Woran hat es zunächst gelegen und wie definierst du nun eure Ziele?

Zu Saisonbeginn hatten wir auch oft Pech, etwa, wenn wir mit 2:0 in Führung lagen und diese noch aus der Hand gegeben haben. Jetzt haben wir uns aber vor einigen Wochen gefestigt und die Fehleranfälligkeit, so gut es geht, abgestellt. Ich glaube, man sieht jetzt auch, dass wir auf einem wirklich guten Weg sind. Wir sind seit zehn Pflichtspielen ungeschlagen, darunter gab es acht Siege, zuletzt zwei wichtige Derby-Erfolge in der Liga und im Cup. Langfristig ist unser Ziel, wieder ganz nach oben zu kommen, bis zur Winterpause möchten wir unter den Top 3 der Liga bleiben.

Im internationalen Fußball kursieren derzeit immer gewaltigere Transfersummen. Wie hat man in Österreich den Transferwahnsinn wahrgenommen? Wie schwierig ist es für österreichische Mannschaften geworden, sich für die Champions League zu qualifizieren?

Wie in jedem anderen Land auch. Zum Teil kursieren Summen, die man früher für unvorstellbar gehalten hat. Lange Zeit war etwa Cristiano Ronaldo der teuerste Fußballer, und jetzt wird der Rekord in den Transferphasen fast wöchentlich gebrochen. Für Österreichische Mannschaften ist es nicht leicht, da braucht man sich ja nur die letzten Jahre anzuschauen. Aber: Es wird auch immer schwerer, da die Schere zwischen den großen und kleinen Ligen immer weiter aufgeht.

Kürzlich hat dein Berater von einem attraktiven Angebot aus der Türkei berichtet, das Interesse an deiner Person wächst. Wieso bleibst du Rapid dennoch treu und welche Rolle spielt dabei dein Nachwuchs?

Rapid ist einfach mein Verein, wo ich seit dem Nachwuchs spiele, wo ich mich gut weiterentwickeln kann und mit dem ich noch viel vorhabe. Seit einiger Zeit bin ich auch von Verletzungen verschont geblieben und bin somit auch im Spielfluss stabiler geworden. Wir haben ein tolles Umfeld und fantastische Fans, da fühlt man sich einfach wohl. Mein Sohn Nino ist vor kurzem auf die Welt gekommen und da ist es natürlich auch klar, dass man sich aktuell nicht mit Transfergeschichten auseinandersetzen braucht. Ich habe mit Rapid noch einiges vor!

Wann muss aus deiner Sicht ein Wechsel in eine europäische Topliga folgen, um einen weiteren Sprung nach vorne machen zu können? Oder ist ein Wechsel dafür nicht nötig?

Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Jeder Fußballer hat andere persönliche Ziele und oft sind ja Wechsel in Topligen nicht unbedingt mit einem Sprung nach vorne verbunden, sondern können auch ein Rückschritt sein. Wenn man dort dann wegen der großen Konkurrenz zwischen Bank und Tribüne pendelt, dann hat man sich das wohl auch anders vorgestellt. Anderen jungen Spielern gelingt es aber, sich durchzusetzen und da heißt es dann, sie haben alles richtig gemacht. Dass dahinter aber sehr viel Arbeit und manchmal auch Glück steckt, übersieht man gerne.

Wie attraktiv ist für dich die deutsche Bundesliga und insbesondere die Frankfurter Eintracht, für die dein Vater zum Helden wurde?

Natürlich ist die Deutsche Bundesliga sehr attraktiv. Da ist die Qualitätsdichte bei den Vereinen sehr hoch, du wirst jede Woche auf einem Top-Niveau gefordert und darfst dich in vollen Stadien präsentieren. Das ist für jeden jungen Fußballer ein Ziel, da mal spielen zu können. Eintracht Frankfurt ist, bedingt durch meinen Vater, klarerweise auch ein Teil meiner Geschichte. Aber wie gesagt, zählt aktuell für mich nur Rapid.

Im August hat sich mit der Geburt deines ersten Kindes viel verändert. Wie erlebst du die ersten Wochen als Vater und hoffst du auch bei Söhnchen Nino auf Begeisterung für den Fußball?

Es ist eine sehr schöne Phase, die man möglichst genießen soll. Sein Kind aufwachsen und die diversen Entwicklungsschritte zu sehen, ist etwas ganz Besonderes, das unvergesslich ist. Am letzten Wochenende, beim Heimspiel gegen Admira Wacker (1:0) habe ich das Goldtor geschossen und meinem Sohn Nino gewidmet, was man auch an meinem Schnuller-Jubel sehen konnte. Nino war zum ersten Mal im Stadion mit dabei und hat dem Papa auf die Beine geschaut!

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