17.10.2017

"Sind in vier Wochen keine Spitzenmannschaft"

Anton Römmich über den Start, die Reserve und den wackligen Trainerstuhl

Anton Römmich ist seit einer Woche für die erste Mannschaft zuständig. Foto: Ralf Hofacker

Nachdem die SG Bad Soden in einem halben Jahr mit Kelvin King und Tino Schmitt gleich zwei Trainer entlassen hat, soll nun eine interne Lösung für Konstanz auf der Trainerposition sorgen. Anton Römmich, der am Donnerstag seinen 31. Geburtstag feiert und seit Sommer 2016 die zweite Mannschaft trainiert hatte, äußert sich im Interview zu seinem Einstand, seinen Zielen und die Zusammenarbeit mit seinem Bruder und Sodens Sportlichem Leiter, Wladimir Römmich.

Mit dem 4:1-Erfolg in Dörnberg hast du - zumindest ergebnistechnisch - einen Start nach Maß hingelegt. Hat sich die Mannschaft auch so präsentiert, wie du es dir vorgestellt hast?

Größtenteils schon. Wir wollten das erste Spiel unbedingt gewinnen, weil wir wussten, dass es uns danach einfacher fallen wird. Die Mannschaften hat die Vorgaben auch schon gut umgesetzt.

Was hast du deinem Team mit auf den Weg gegeben? Im Vorfeld war ja insbesondere eine Systemumstellung Thema ...

Richtig, wir haben auf 4-2-3-1 umgestellt. Dazu haben wir nicht mehr so offensiv aufgestellt. Unter Kelvin hat die letzte Reihe sehr hoch gestanden, jetzt sind wir 10, 15 Meter nach hinten gerückt. Im Vorfeld war wichtig, den Jungs zu vermitteln, dass wir viel Potenzial in der Mannschaft haben und nicht die Schießbude der Liga sind, wenn wir alle gemeinsam gegen den Ball arbeiten. Dazu habe ich Marco Di Maria auf die Sechs gestellt, was vorher wohl auch keiner gedacht hätte. Er hat in Dörnberg aber eine entscheidende Rolle gespielt.

Generell dürfte dir der Einstieg bei der ersten Mannschaft nicht sonderlich schwer gefallen sein. Schließlich hast du in dieser Saison schon fünfmal für die Verbandsliga-Truppe die Schuhe geschnürt.

Die Mannschaft hat es mir ziemlich einfach gemacht und mich sofort voll unterstützt. Die Konzentration und Motivation war direkt voll da, ich musste mir keine Gedanken machen, dass die Mannschaft nicht auf mich hört.

Du hast im Vorbericht auf das Dörnberg-Spiel schon gesagt, dass es eine große Ehre ist, die Verbandsliga-Mannschaft trainieren zu dürfen. Aber ist beim Abschied von der Reserve auch ein bisschen Demut dabei?

Es ist auf jeden Fall so, dass ich die zweite Mannschaft mit einem weinenden Auge verlasse. Es hat dort richtig Bock gemacht, wir haben in anderthalb Jahren etwas aufgebaut. Wir haben es hinbekommen, einen laufenden Trainingsbetrieb zu organisieren, und die Mannschaft hat sich mit eigenen Jugendspielern und einigen erfahrenen Leuten von einem Abstiegskandidaten zu einem Team aus dem oberen Drittel entwickelt. Das war auch der einzige Grund, warum ich nachgedacht habe, als es darum ging, die erste Mannschaft zu übernehmen. Ich wollte die Jungs nicht im Stich lassen. Aber mit 30 Jahren Trainer einer Verbandsliga-Mannschaft zu sein, und dann auch noch bei seinem Heimatverein mit viel Potenzial, ist eine große Ehre. Ich freue mich riesig auf die neue Aufgabe.

Möchtest du auch als Spielertrainer agieren, also für die erste Mannschaft auflaufen?

Da müsste die Personaldecke schon sehr eng sein, das ist nicht geplant. Ich möchte aber, wenn ich kann, der zweiten Mannschaft zur Verfügung stehen und mit den Jungs zusammen kicken. Vielleicht kann so der Verbund zwischen erster und zweiter Mannschaft näher zusammenrücken. Ich möchte auch einigen Leuten aus der Reserve die Chance geben, Verbandsliga-Luft zu schnuppern.

Einen tollen Auftakt habt ihr hingelegt. Was denkst du ist in dieser Saison mit der Truppe noch drin?

Wir wollen schauen, dass wir schnell aus dem Tabellenkeller rauskommen. Ich denke, die Mannschaft ist in der Lage, auf einem gesicherten Mittelfeldplatz zu landen. Zunächst einmal wollen wir aber von Spiel zu Spiel blicken. Es ist ja meistens so, dass man die Seuche am Fuß hat, wenn man hinten steht. Dazu haben wir zwei sauschwere Spiele vor uns. CSC Kassel hat beim 6:0-Sieg gegen Johannesberg gezeigt, wie gut sie sind, und Johannesberg steht nicht umsonst an der Tabellenspitze. Wenn wir zweimal verlieren, stehen wir dort, wo wir vor dem Dörnberg-Spiel standen. Deshalb werden wir nicht sagen, dass wir in vier Wochen eine Spitzenmannschaft sind.

Bad Soden hat innerhalb weniger Monate zweimal einen Übungsleiter entlassen, der Trainerstuhl gilt nicht als der sicherste. Ist es für dich Vorteil oder Nachteil, dass dein Bruder Wladimir als Sportlicher Leiter dein Vorgesetzter ist?

Ich denke, dass es weder Vor- noch Nachteil ist. Ein Trainer wird immer an sportlichen Erfolgen gemessen. Und liefert er nicht, fängt der Fisch immer vom Kopf an zu stinken, dann ist immer der Trainer der Verantwortliche. Wenn wir in den nächsten Wochen, Monaten und Jahren mit Spielern aus den eigenen Reihen eine gute Verbandsliga-Truppe formen werden, glaube ich schon, dass ich über einen längeren Zeitraum Trainer der Mannschaft sein kann. Dann werden Vorstand und Sportliche Leitung auch voll hinter mir stehen.

Autor: Steffen Kollmann

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