14.11.2017

"Probleme waren gravierender als erwartet"

Verbandsliga: Wladimir Römmich zieht Zwischenbilanz

Wladimir Römmich zieht Zwischenbilanz.

Noch steht die SG Bad Soden in der Verbandsliga Nord auf einem Abstiegsplatz, aber mit dem 4:2-Heimsieg über Schwalmstadt wurde das erste Spiel der Rückrunde erfolgreich gestaltet. Seit Anton Römmich in der zweiten Oktoberwoche das Traineramt von Kelvin King übernahm, holte die SG bei einem Schnitt von 1,6 acht Punkte aus fünf Spielen, Tordifferenz +3. Zuvor waren es aus zwölf Spielen durchschnittlich 1,09 Punkte, Tordifferenz -9. Für eine Zwischenbilanz stand der Sportliche Leiter Wladimir Römmich Rede und Antwort.

Die SG Bad Soden ist nach 17 Spielen Vierzehnter und steht auf einem Abstiegsplatz. Wie erklären Sie die schlechte Platzierung?

Auch wenn ich uns im vorderen Viertel von Platz fünf bis eins erwartet habe, so war mir doch auch bewusst, dass ein erneuter Umbruch mit dem Heranführen von eigenen jungen Spielern einerseits und dem Einbau von externen Spielern andererseits Schwierigkeiten mit sich bringen kann, das haben wir ein Jahr zuvor auch unter Sead Mehic als Trainer gesehen. Die Probleme, die daraus entstanden, waren allerdings gravierender als erwartet, die Findungsphase war langwierig, es hat gedauert, bis eine Hackordnung gefunden wurde und notwendige Mechanismen greifen. Dennoch bin ich davon überzeugt, dass die Qualität des Kaders für höhere Ziele ausreicht. Wer 0:0 beim Tabellenführer spielt, kann so schlecht nicht sein.

Augenscheinlich unter Trainer Kelvin King war die hohe Anzahl von Gegentreffern. Defensives Mittelfeld und Innenverteidigung schienen nicht konkurrenzfähig.

Auf den ersten Blick drängt sich da natürlich der Eindruck auf, dass die Probleme tatsächlich alleine dort zu suchen waren, aber für mich war das ein Alibi, dass immer auf der Defensive herumgeritten wurde. Zum Verteidigen gehören elf Mann.

Seit Anton Römmich Trainer ist, fängt die SG deutlich weniger Gegentore. Würden Sie zustimmen, dass der Schlüssel zum Erfolg nicht zuletzt die Neubesetzung des defensiven Mittelfeldes mit Spielmacher Marco Di Maria ist?

Ganz klar: Das war eine entscheidende Umstellung, die der Mannschaft sehr gut getan hat. Marco hat große Übersicht und nimmt in der Doppel-Sechs den offensiveren, gestalterischen Part ein, er sorgt dafür, dass das Umschaltspiel besser funktioniert, während Christoph Neiter an Marcos Seite – und nun endlich auf seiner angestammten Position als Abräumer – zuletzt sehr starke Leistungen gezeigt hat. Außerdem ist es Anton gelungen, der Vereinsphilosophie folgend, gerade den jungen Spielern, etwa Jaron Krapf, Lars Jordan, Tim Paulowitsch oder Jannik Burgstaller, eine Perspektive zu geben und Sicherheit zu verleihen.

Das Lob für den neuen Trainer kann man auch als Tadel für den alten verstehen.

Kelvin King hat die Leistungen der Mannschaft stets hervorragend analysiert, es aber nicht hinbekommen, die erkannten Fehler auch abzustellen. Es ist halt auch die Aufgabe des Trainers, das vorhandene Spielermaterial so aufzustellen, dass es Erfolg verspricht. Die Trennung ist uns nicht leicht gefallen, aber wir hatten zum Schluss auch nicht mehr das Gefühl, dass es im nächsten Spiel besser wird. Wenn Kelvin King mit der Art, wie er Fußball spielen lassen will, Erfolg gehabt hätte, hätte ja keiner etwas gesagt.

Wie sehen die Ziele der SG für den Rest der Runde aus?

Mein Wunsch ist es, dass wir die Saison ruhig und solide zu Ende spielen können und ein Fundament schaffen, auf dem sich aufbauen lässt und das einen abermaligen Umbruch unnötig macht.

Noch ein paar Personalien: Wie weit ist der verletzte Innenverteidiger Younes Idrissi?

Er hat sich nach seiner Jochbein-OP mittlerweile eine Carbonmaske anfertigen lassen, wird aber in diesem Jahr nicht mehr spielen. Er soll jetzt langsam wieder ins Training einsteigen und wird dann hoffentlich in der Rückrunde jene Rolle ausfüllen können, die ihm zugedacht war: als erfahrener Abwehrspieler die jungen Spieler zu führen. Sehr gefreut hat uns, dass er sich in seiner langen Verletzungspause jenseits des Platzes vorbildlich eingebracht hat und etwa den jüngsten Mannschaftsabend organisierte.

Mit dem Einstieg von Anton Römmich ging auch das Comeback von Torhüter Arturo Gonzalez-Garcia einher. Wie ist da, auch im Bezug auf Daniel Soldevilla, der Stand der Dinge?

Bis zur Winterpause wird Arturo spielen. Danach müssen wir reden. Es ist Arturo jedenfalls deutlich anzumerken, dass er Spaß an der Sache hat. Daniel ist jetzt endlich in der Form und Verfassung, in der wir ihn gerne von Beginn an gehabt hätten. Es ist ihm jedenfalls hoch anzurechnen, dass er sich bereitwillig in den Dienst des Vereins stellt und klaglos auch in der zweiten Mannschaft spielt. Aber wie gesagt: Die Torwartfrage werden wir in der Winterpause bereden, auch vor dem Hintergrund, dass eine dauerhafte Lösung für die zweite Mannschaft gefunden werden muss, denn dort musste gelegentlich ein Feldspieler zwischen die Pfosten.

Nicht nur bei der SG Bad Soden sondern zwangsläufig bei nahezu allen Vereinen endet die Zeit eines Trainers meist vorzeitig. Werden Sie nicht früher oder später Ihren eigenen Bruder entlassen müssen?

Zunächst ist Antons Engagement für diese Saison vorgesehen, aber wegen mir kann er das gerne die nächsten 20 Jahre machen. Anton hat die B-Lizenz erworben, die Ansprache an die Mannschaft passt auch, die Ergebnisse stimmen, die Zusammenarbeit mit Arturo Gonzalez-Garcia als Co-Trainer ist ausgezeichnet. Aber klar ist doch auch: Die Trainerfrage ist immer vom Erfolg abhängig, das wissen wir beide. Wir bekommen es jedenfalls sehr gut hin, das Private vom Dienstlichen zu trennen.

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