13.11.2017

Kein Strom, Mini-Kabinen, aber ganz viel Spaß

Aschenberg United lebt den Fußball an der Basis / Kein Sieger im Spitzenspiel

Das Topspiel zwischen Aschenberg United und dem TV Neuhof endete remis. Foto: Charlie Rolff

Wer von Fußball an der Basis redet, der muss mindestens einmal im Leben ein Heimspiel von Aschenberg United gesehen haben. Mehr Basis geht nicht mehr. Zudem waren die sportlichen Leistungen im B-Liga-Duell gegen den TV Neuhof am Sonntagnachmittag einem Topspiel absolut angemessen. Das 1:1 (0:1) war letztlich auch gerecht.

Der "Versorgungscontainer" der Aschenberger. Foto: Charlie Rolff

Wer an das Sportgelände am Münsterfeld kommt, für den öffnet sich eine völlig neue Welt. Alle Regelmäßigkeiten und Selbstverständlichkeiten, die in anderen Vereinen als normal angesehen werden, greifen bei den Kickern der Aschenberger nicht.

Das beginnt mit den Toren, die eine Mischung aus Fußball- und Footballtoren sind. Ist ein Fußballtor im Normalfall 2,20 Meter hoch, ragen die Pfosten auf dem alten Footballfeld an der Haimbacher Straße satte 5,80 Meter in die Luft. Was also tun, wenn der Ball eigentlich über das Tor geht, aber den für den Fußball viel zu langen Pfosten trifft. „Dann muss ich als Schiedsrichter Ausball geben. Das ist alles eine Ermessenssache“, sagt Schiedsrichter Gerhard Wiegand.

Umkleidekabinen gibt es nur bedingt, weil viel zu klein. Deshalb zog sich der TV Neuhof in dem Fall im Sportlerheim bei der SG Johannesberg um. Dort wurde im Anschluss auch geduscht. Die Heimmannschaft dagegen muss in einem Container hausen, der nicht nur als Heimkabine, sondern auch gleichzeitig noch Getränkelager, Verkaufsstand und Geräteschuppen dient.

„Wasser und Strom haben wir am Sportplatz leider nicht. Wir müssen mit allem stark improvisieren. Normalerweise grillen wir mit einem Gasgrill, aber bei dem schlechten Wetter geht das nicht“, so der Zweite Vorsitzende Dennis Zauer. Also blieb gestern die Küche eben mal kalt.

Als Schiedsrichterkabine wird eine alte Damen-Toilette in einem nahegelegenen Funktionsgebäude genutzt. Richtig appetitlich sind die Bedingungen dort nicht. „Das ist alles sehr schade“, so Referee Gerhard Wiegand. „Ich jedenfalls fahre nass und ungeduscht nach Hause. Mir tut der Verein leid, dass er so von der Stadt im Stich gelassen wird. Die Leute betreiben hier eine Art Streetworker-Arbeit, die man eigentlich voll unterstützen müsste.“

"Müssen uns erstmal fünf Jahre etablieren"

Eine tolle Kulisse trotz schlechten Wetters. Foto: Charlie Rolff

In der Tat haben die Verantwortlichen haben schon einige Male ihre Zelte bei der Stadt Fulda aufgeschlagen und zwecks einer besseren Möglichkeit im Umfeld angefragt. „Leider haben wir gesagt bekommen, dass wir uns als Verein erstmal fünf Jahren etablieren müssen. Erst dann wird entschieden“, verdeutlichte Dennis Zauer.

Klasse bei Aschenberg United sind die Fans. Mit Trommeln, Trompeten und Hupen wurden die Spieler angepeitscht. Ob des Regens baute sich der Anhang sogar selbst drei Pavillons zum Schutz auf.

Und spitze ist auch die Mannschaft: Die sportlichen Leistungen von Aschenberg und Neuhof waren jedenfalls richtig stark. Schon das Hinspiel machte beim 1:1 Freude und auch diesmal hatte das Spiel keinen Verlierer verdient gehabt. Mit hohem Tempo ging es 90 Minuten rauf und runter. Herzerfrischender Fußball, der noch nicht von zu viel Taktik und System geprägt ist. Chancen zum Sieg gab es 90 Minuten lang auf beiden Seiten etliche. Und so gab es doch einen Sieger: Die 180 Zuschauer – eine Hammerkulisse für die B-Klasse – vor allem in Anbetracht des kalten und nassen Sauwetters. / kr

Die Statistik:

Aschenberg Utd: Arno; Lang, D. Ay, Yakisir, Chiljai, Diyar, Gündüz, Ö. Ay, Özdemir, Lacis,Hibaoui – Yilderim.
TV Neuhof: Burkard; S. Möller, Betz, J. Möller, Brand Kruth, Bub, Urner, Jordan, Musil, Henkel, Raab – Herget.
Schiedsrichter: Gerhard Wiegand (SV Flieden).
Zuschauer: 180.
Tore: 0:1 Lukas Raab (12.), 1:1 Amine Hibaoui (55.).

Kommentieren

Vermarktung:

Mehr zum Thema