Meine Torgranate Osthessen

19.06.2017

"Ich habe immer erreicht, was ich erreichen wollte"

Teil zwei des Interviews mit dem Neu-Wolfsburger

Daniel Hanslik ist fokussiert auf das, was kommen mag. Foto: Charlie Rolff

Daniel Hanslik (20) war der Shootingstar der vergangenen Saison. Wir haben mit dem Unterhauner, der ab der neuen Saison für die U 23 des VfL Wolfsburg spielen wird, ein Interview geführt. In Teil zwei erklärt er, dass es einen Weg zurück zur Polizei geben könnte, dass er die gesetzten Ziele bislang auch erreicht habe, warum Jonas Hector sowie Miroslav Klose ein Stück weit Vorbilder sind und warum der JFV Bad Hersfeld für ihn die beste Ausbildungsalternative gewesen sei.

Wie würdest du selbst deine Gefühlswelt der vergangenen Tage und Wochen einordnen?

Eigentlich sehe ich das recht lässig. Das ist eine Chance, die in dem Alter nicht jeder bekommt. Jetzt kann ich nur noch gewinnen, weil ich mir bei der Polizei die Rückkehr insofern gesichert habe, dass ich bei entsprechenden gesundheitlichen Voraussetzungen zurückkommen und ab dem vierten Semester weiterstudieren könnte. Von daher kann ich ganz ruhig und gelassen an die Aufgabe rangehen.

Dein Ex-Trainer Frank Ullrich hat mir erzählt, dass du einer seist, der - abgesehen von den fußballerischen Qualitäten - vom Kopf her so stabil sei, dass er den Sprung nach ganz oben schaffen könne. Was könnte er meinen?

Das ist eine gute Frage. Ich glaube er meint, dass ich auch nach der abgelaufenen Saison nicht angefangen habe abzuheben, sondern lieber das viele Lob auf die Mannschaft verteilt habe, weil Fußball einfach ein Mannschaftssport ist, in dem du nichts alleine richten kannst. Du brauchst immer jemanden, der dich anspielt. Was Frank vielleicht auch meint, ist, dass ich mich Herausforderungen gerne stelle, am Boden bleibe und bisher das erreicht habe, was ich auch erreichen wollte.

Für viele Spieler ist mit 20 Jahren der Traum vom Profi bereits vorbei. Dein Weg verläuft konträr, du hast kein Nachwuchsleistungszentrum besucht, eine „normale“ Jugend genossen und bekommst jetzt doch noch die Chance, durchzustarten. Das vielleicht größte Geschenk?

Selbst nach so einer Saison hätte ich nicht erwarten können, dass ein Sprung in solche Welten noch einmal gelingen kann. Ich glaube, dass mich vor allem der Wechsel vom SV Steinbach zum JFV Bad Hersfeld im zweiten Jahr B-Jugend charakterlich am meisten weitergebracht hat, weil ich so Führungsspieler wurde. Und vielleicht ist es manchmal ganz einfach wichtig, sich den menschlichen Herausforderungen zu stellen, denn ich weiß nicht, ob mein Weg durch ein Wechsel zu Viktoria Fulda genauso verlaufen wäre. Und vielleicht ist es wirklich ein Vorteil, dass ich schon drei Semester studiert habe, andere Seiten des Lebens kenne, vielleicht mit einem anderen Blick an die Sache rangehen kann.

Miroslav Klose und Jonas Hector sind die derzeit prominentesten Beispiele für Profi auf dem "zweiten Bildungsweg". Taugen sie als Vorbilder?

Miroslav Klose ist natürlich Sportsmann durch und durch. Er ist ein sehr fairer Spieler gewesen und sein Weg, den er bestritten hat, zeugt von einem guten Charakter. Bei Jonas Hector sieht man, dass er sich technisch enorm weiterentwickelt hat und mittlerweile völlig zu Recht Nationalmannschaft spielt. Vorbilder sind sie in dieser Hinsicht sicherlich, weil sie die Karriere über den "zweiten Bildungsweg" geschafft haben. Aber es wird schwer genug, weil es viele andere Spieler gibt, die genau dasselbe versuchen. Ich hoffe, dass es gut für mich ausgehen wird.

Der Hype um deine Person war in den vergangenen Monaten riesig. Du selbst hast dich komplett zurückgezogen, hast dich in den vergangenen Monaten nur ein einziges Mal in den Medien geäußert? Warum?

Ach, ich glaube, dass einfach genug aus allen möglichen Perspektiven berichtet wurde. Was gesagt werden musste, wurde gesagt. Und eine sportliche Antwort zu liefern, ist manchmal die bessere Alternative. Außerdem finde ich, dass manche Mitspieler wie Michael Wiegand oder Florian Münkel, die zentrale Rollen für den Nichtabstieg gespielt haben, etwas zu kurz kamen und so dann völlig zu Recht in den Fokus rücken konnten. Wir haben als Mannschaft Großes erreicht, auch von der Punktausbeute. Und so etwas auf eine Person runterzubrechen? Das ist zu leicht!

Jetzt stehst du noch mehr im Blickpunkt. Du bist ein unglaublich beliebter Typ in der Region. Gab es auch Fälle von Neid und Missgunst in deiner Umgebung?

Ich habe nichts mitbekommen. Sicherlich wird es Personen geben, die sagen: „Der wird‘s nicht schaffen“. Aber so etwas kann ja nur Motivation sein. Meine Familie, meine engsten Freunde, meine alte Mannschaft, mein alter Vorstand - es stehen eigentlich alle hinter mir, sie stärken mir den Rücken und ich glaube, das ist auch ein Grundstock für eine erfolgreiche Zukunft. Und ich habe die Entscheidung nicht allein getroffen, sondern es war mir sehr wichtig, was meine Eltern und meine Geschwister sagen. Mittlerweile gibt mir auch Shkodran Mustafi schon ein paar Tipps mit auf den Weg, denn ganz so leicht ist ein Profidasein nicht. Und mit Shkodrans Vater Kujtim habe ich einen Berater an meiner Seite, den ich schon lange kenne, mit dem ich menschlich super auskomme und der mit seiner Erfahrung einerseits weiterhelfen, aber andererseits auch Möglichkeiten bieten kann.

Dass du das Studium bei der Polizei aussetzen darfst, war sicherlich für deine Eltern in der Entscheidungsfindung ein Bonbon...

Für mich stand die Entscheidung ehrlich gesagt gleich fest. Der Profifußball war immer mein Traum. Meine Eltern waren zunächst etwas skeptisch, weil die berufliche Zukunft natürlich sehr wichtig ist, aber im Endeffekt hat alles geklappt: Alle Parteien sind total zufrieden, jetzt kann der große Schritt losgehen.

Zu guter Letzt: Wenn du einen Blick in die Glaskugel werfen könntest, wo würdest du dich in fünf Jahren gerne sehen?

Dann bin ich 25, würde am liebsten nicht bei der Polizei arbeiten, sondern Bundesliga, 2. Liga oder im Ausland spielen.

Autor: Johannes Götze

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