17.06.2017

Ginsheim, Waldgirmes und Neu-Isenburg

Hessenliga: Wir stellen die Aufsteiger vor

Der VFB Ginsheim durfte nach Spielabpfiff in Alsbach die Meisterschaft bejubeln. Foto: Selina Eckstein

Die Aufstiegsspiele sind abgeschlossen, das Feld für die neue Saison in der Hessenliga steht: Neben Rückkehrer Buchonia Flieden haben auch der SC Waldgirmes, der VfB Ginsheim und die Spvgg. Neu-Isenburg den Aufstieg in Hessens höchste Spielklasse geschafft.

Mit Waldgirmes kehrt der Hessenmeister von 2009 zurück. Nach vier Jahren in der Verbandsliga Mitte ist der Neuaufbau geglückt. Mit acht Punkten vor dem SV Zeilsheim haben die Lahnauer die Meisterschaft in der Verbandsliga Mitte ziemlich souverän für sich entschieden.

Dennoch verabschiedete sich Trainer Peter Bätzel. Ein lange geplanter Vorgang. Schon seit Januar steht fest, dass Daniyel Bulut das Amt in Waldgirmes übernehmen wird. Der 36-jährige Bulut pausierte eine Saison, war davor beim VfB Gießen tätig und ist in der Hessenliga aus seiner Zeit als Coach beim FSV Fernwald (von 2010 bis 2013) kein Unbekannter. Sein Co-Trainer wird kommende Saison Leif Langholz. Der Stürmer wird aber auch weiterhin spielen. Mit 13 Treffern war er auch in der abgelaufenen Saison wieder einmal bester Torschütze des SCW.

Sportlich rüsten die Mittelhessen enorm auf. Bekanntester Neuzugang ist bislang Jura Gros, der vom TuS Koblenz in den Lahn-Dill-Kreis wechselt. Gros absolvierte schon über 200 Hessenligaspiele für Rot-Weiß Hadamar und die Eintracht aus Stadtallendorf.

Ebenfalls ein Hochkaräter ist Kian Golafra. Der 26-jährige Defensivallrounder war Kapitän der Meistermannschaft von Watzenborn-Steinberg. Dazu kommt als dritter überdurchschnittlicher Neuzugang Kouami Edem Dalmeida neu dazu, der mit seinen 15 Treffern für die Sportfreunde aus Seligenstadt zu den besten Torschützen der vergangenen Hessenliga-Spielzeit gehörte.

Einst deutscher Amateurmeister

Viel länger als Waldgirmes musste die Spvgg. Neu-Isenburg auf seine Wiederkehr in die Hessenliga warten. Genau 40 Jahre nach dem Abstieg ist der zwischenzeitlich bis in die A-Liga Offenbach (2002 bis 2004) abgerutschte Traditionsverein über die Aufstiegsspiele wieder ins Elitehaus zurückgekehrt – nach nunmehr vier Aufstiegen in 14 Jahren. „Ich trainiere die Mannschaft seit der A-Liga und es hat kontinuierlich eine Entwicklung stattgefunden“, freut sich Trainer Peter Hoffmann.

„Es ist etwas Außergewöhnliches für den Verein und es wird noch ein paar Tage dauern, bis man es begreift.“ Dass der Aufstieg allerdings erst durch die Aufstiegsspiele wahr gemacht werden konnte, lag auch am Saisonverlauf der Spielvereinigung, wie Hoffmann erklärt: „Wir haben uns das Leben selbst schwer gemacht, hatten Höhen und Tiefen. Deshalb war es zum Schluss auch anstrengend.“ Nun möchte sich der Verein in der Hessenliga „teuer verkaufen“, um den Klassenerhalt zu schaffen. „Aber wir wissen, dass es schwer wird.“

Bekannte Spieler haben die Neu-Isenburger einige. So ist die Hessenliga für Spieler wie Daniel Sachs (Kickers Offenbach, Eschborn, Fernwald, Klein-Karben) oder Torwart Lazar Kacarevic (Urberach, Ober-Roden, Fernwald) kein Neuland.

Die großen Zeiten der Spvgg. Neu-Isenburg sind indes schon lange her: 1953 steig der Verein durch ein 3:0 gegen Germania Fulda (3000 Zuschauer in Friedberg) erstmals in die Hessenliga auf, die damals noch erste Amateurliga geheißen hatte. Es folgten sieben Jahre in der zweiten Liga Süd, ehe durch die Einführung der Bundesliga 1963 der Abstieg folgte. 1965 war Neu-Isenburg Gründungsmitglied der heutigen Form der Hessenliga. Das größte Spiel der Vereinsgeschichte blieb bis heute das Endspiel um die deutsche Amateurmeisterschaft, als sich Neu-Isenburg 1956 vor 45.000 Zuschauern im Berliner Olympiastadion durch ein 3:2 gegen den VfB Speldorf den Titel holte.

Ginsheim setzt auf junge Spieler

Über so eine große Geschichte verfügt der VfB Ginsheim noch nicht. Aber der Verein aus dem Kreis Groß-Gerau hat sich kontinuierlich entwickelt. War man bis in die 1980er-Jahre in der B-Liga zu Hause, folgte Mitte der 1990er-Jahre der Sprung in die Kreisoberliga. 2004 erklomm der VfB erstmals die Gruppenliga, 2011 folgte der erste Aufstieg in die Verbandsliga Süd. Das Jahr 2017 brachte für Ginsheim nun den größten Erfolg der Vereinsgeschichte mit dem Aufstieg in die Hessenliga.

Der Titel trägt die Handschrift vom Trainergespann Carsten Hennig und Artur Lemm. Beide waren einst erfolgreiche Spieler: Lemm spielte Hessenliga bei der SG Höchst, beim 1. FC Eschborn und bei der TSG Wörsdorf, Hennig spielte noch eine Liga höher, brachte es unter anderem auf 233 Spiele beim FSV Frankfurt. Dazu hießen die Stationen SV Wehen, VfR Mannheim und ein Jahr zweite Liga bei Eintracht Frankfurt.

Auch in der Hessenliga will man sich rund um den Jugend- und Sportpark treu bleiben. „Maximilian Thomasberger ist mit 24 Jahren unser ältester Neuzugang. Alle anderen sind jünger als 22. Zwar hat Qualität bei uns oberste Priorität, aber ein gestandener Hessenliga-Spieler würde alleine schon wegen finanzieller Restriktionen den Weg sicherlich nicht zu uns finden. Satte Spieler kommen für uns auch nicht in Frage, sondern Jungs, die sich bei uns brutal über Fleiß und Ehrgeiz präsentieren wollen“, verdeutlicht Lemm.

Ginsheim, 140 Kilometer von Fulda und nur wenige Minuten von Mainz entfernt gelegen, hat seinen bekanntesten Spieler in Kamil Kwiaton. Der 29-jährige Deutsch-Pole durfte bei Viktoria Griesheim und Germania Ober-Roden bereits Hessenligaluft schnuppern. „Wenn wir den Klassenerhalt schaffen, dann würde das unsere Gesamtleistung der letzten Jahre noch mehr aufwerten. Wir können eine Rolle spielen, dazu müssen die Spieler aber extrem gut als Mannschaft funktionieren“, weiß Lemm, wie es eventuell klappen könnte. kr

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