02.01.2018

Führungsqualitäten, Taschengeld und Stadionbesuche

Schiedsrichterei kann richtig lohnen

Die Schiedsrichter-Vereinigung ist oftmals wie eine Familie: Hier waren Jan Gutberlet (von links), Maximilian Kaiser, Lasse Thomas und Lukas Raacke im Futsal-Einsatz. Foto: privat

Schiedsrichter, die höherklassig pfeifen, sind fast ausnahmslos auch im Berufsleben erfolgreich. Zufall? Mitnichten meint Maximilan Kaiser, Kreisschiedsrichterobmann des Kreises Lauterbach/Hünfeld, der aufzeigt, warum es lohnt Unparteiischer zu werden.

„Als Schiedsrichter werden Kompetenzen gefördert, die insbesondere auch für Führungspositionen in der Berufswelt vonnöten sind“, erklärt Kaiser und verwendet Substantive wie Moderator, Vermittler, Entscheider, Pädagoge oder Bestrafer um die vielschichtigen sozialen Komponenten eines Unparteiischen in einem Fußballspiel aufzuzählen. Selbstbewusstes Auftreten, Entscheidungsfreudigkeit, Verantwortungsbewusstsein oder Durchsetzungsvermögen werden ebenfalls durch die Tätigkeit an der Pfeife gefördert. „Was sich vielleicht hochtrabend anhört, ist ein Prozess, den du als Schiedsrichter mit der Zeit gehst, du entwickelst dich schnell weiter und lernst fürs Leben“, beschreibt Kaiser, der als Lehrer an einer Gesamtschule arbeitet und nach eigenem Dafürhalten auch selbst viel durch die Pfeiferei in sein „normales Leben“ mitgenommen hat und auch noch mitnimmt.

Als junger Schiedsrichter profitierte er hingegen von dem „hübschen Taschengeld“ – nämlich den gezahlten Prämien für die Spiele. Noch ohne Auto fuhren ihn die Eltern zu den Spielen, die Spesen durfte er sich einstecken, wie er sich erinnert. „Mit dem Fußball ein wenig Geld dazuzuverdienen, war eine super Geschichte“, sagt Kaiser und freute sich zudem über den einen oder anderen kostenlosen Besuch bei Spielen „unserer hessischen“ Frankfurter Eintracht. Schließlich steht für Schiedsrichter bei jedem Bundesligaspiel ein gewisses Kontingent an Freikarten bereit. Ein weiterer netter Nebeneffekt. Was zudem selbst für Außenstehende immer mehr wahrnehmbar ist, dass sich die Schiedsrichtervereinigungen zu kleinen Familien entwickeln. Gemeinsame Aktivitäten werden gefördert, mal ein gemeinsamer Stadionbesuch, mal ein Ausflug zum Weihnachtsmarkt. Neuen Freundschaften mit Gleichgesinnten steht wenig im Wege.

Gesundheit und gute Aufstiegschancen

Drittes großes Thema ist zudem die Nähe zum Fußball und Sport: Kaum jemand, der samstags Sky einschaltet, kennt auch nur im Ansatz das Regelwerk im Detail. Schiedsrichter hingegen schon. Ständige Weiterbildungen ermöglichen gute Aufstiegschancen, zudem fördert die Bewegung die Gesundheit. „Es gibt viele Punkte, die für die Schiedsrichterei sprechen“, verspricht Kaiser, der weiß, „dass auch Schiedsrichter ein nicht ganz unwichtiger Teil des Spiels sind“. Und seinem Verein kann man natürlich auch helfen, schließlich benötigt jeder Club eine bestimmte Anzahl an Schiedsrichtern, um einem Punktabzug zu entgehen – und ein solcher hat nicht erst einmal einen Auf- oder Abstieg gekostet.

Zwölf Jahre muss Mann oder Frau mindestens sein, um den Schiedsrichter-Lehrgang zu bestreiten. Gerade in der Anfangsphase wird durch intensives Coaching der Einstieg leicht gemacht und bei genügend Engagement und Ehrgeiz ist ein schneller Aufstieg möglich. Allein in dem vergleichsweise kleinen Kreis Lauterbach/Hünfeld gibt es drei Gruppenliga-, zwei Verbandsliga- und einen Regionalligaschiedsrichter.

Auf geht's, werde Schiedsrichter!

In den kommenden Monaten bieten alle vier Fußballkreise Neulingslehrgänge an. Die Kosten dafür übernimmt in aller Regel dein Verein. Mindestalter ist 12 Jahre und eine gewisse Fußballaffinität sollte vorhanden sein. Anmeldungen sind direkt beim HFV möglich.

Kreis Hersfeld-Rotenburg: 20. Januar bis 27. Januar in Weiterode
Kreis Schlüchtern: 5. Februar bis 16. Februar in Herolz
Kreis Lauterbach-Hünfeld: 17. Februar bis 10. März im Raum Hünfeld
Kreis Fulda: 18. Februar bis 4. März in Rönshausen

Autor: Johannes Götze

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