16.06.2017

Ein Wechsel zu den Münchner Löwen stand im Raum

Marco Fladung zeichnet imposante Karriere nach

Bester Trainer für Marco Fladung (links)? Keine Frage: Martin Hohmann (rechts), den er zunächst bei Borussia und dann in Hünfeld hatte.

Marco Fladung wird am 24. Juni (17 Uhr) sein Abschiedsspiel mit zahlreichen Fußballlegenden Osthessens begehen. Vorher nahm sich der 46-Jährige Zeit, um über seine Karriere zu sprechen, die noch immer für sich spricht.

Zwei Dinge behauptet Sven Bednarek auch knapp 40 Jahre später noch: "So ein hochklassiges E-Jugend-Spiel hat es in der Umgebung selten gegeben - und das entscheidende Tor von Marco war keines, der Ball ist vom Pfosten wieder rausgesprungen.“ Wovon der heutige Kumpel, HSV-Leidgenosse und Tennis-Kollege Fladungs spricht? E-Jugend-Kreismeisterschaftsentscheidungsspiel zwischen Bednareks Germania Kirchhasel und dem siegreichen Rasdorfer SC, dem Fladung mit seinem umstrittenen Tor zum Sieg verhalf. Vielleicht war das der Beginn seiner Karriere, die ihn von unten nach oben führte und dessen Ausklingen sich über ein Jahrzehnt hinzog. Erst jetzt mit 46 Jahren sagt Fladung: "Es muss ja auch mal ohne gehen.“

Von seinem Heimatverein Rasdorf wechselte der Mittelstürmer im B-Jugend-Alter zum Hünfelder SV, wo er auch erste Erfahrungen im Seniorenbereich sammelte und 1991 unter Harald Borngräber den Zweikampf zwischen Borussia Fulda und dem Hünfelder SV um den Landesliga-Titel hautnah miterleben sollte und noch heute von Mitspieler "Tommy" Hohmann schwärmt: "Er war ein überragender Regisseur." Auch weil sich Michael Matthaei weiland in der Winterpause für den Sprung Richtung Bayern München entschied, hatten die Borussen letztlich die Nase knapp vorne. Doch erste persönliche Erfolge sollte er auch schon in seiner ersten HSV-Zeit verzeichnen: Mit 31 Treffern wurde er 1993/1994 Landesliga-Torschützenkönig.

Lorant setzte lieber auf gestandene Spieler

Nach einem Kurz-Intermezzo 1994/1995 beim RSV Petersberg in der Oberliga (Fladung: "Ich wäre sicherlich länger geblieben, wenn wir nicht so unglücklich in der Relegation abgestiegen wären“), folgte der Sprung zu Borussia Fulda, wo er in den folgenden fünf Jahren seine sportlich erfolgreichste Zeit erleben sollte: Mit 35 Treffern wurde er Torschützenkönig und schoss so die Borussen im ersten Jahr zum Oberliga-Titel. Sein kongenialer Sturmpartner Olivier Djappa und er sollten dann auch in der damaligen drittklassigen Regionalliga für Furore sorgen: Zunächst hinter dem 1. FC Nürnberg, Greuther Fürth und dem SSV Reutlingen starker Vierter, sahen die Borussen im zweiten Regionalliga-Jahr lange wie einer der beiden sicheren Aufsteiger aus, mussten in der Saisonendphase jedoch noch den SSV Ulm (marschierte in die Bundesliga durch) und die Offenbacher Kickers ziehen lassen.

Vor seinem Engagement in Petersberg wäre Fladung indes beinahe bei Bundesliga-Aufsteiger 1860 München gelandet, doch nach einem Trainingslager in Passau wurde klar, dass ein Wechsel ausgeschlossen ist, da er schon beim RSV einen Vertragsamateur-Vertrag unterschrieben hatte. Vom ursprünglichen Plan, in der Winterpause ein neuerliches Mal Kontakt aufzunehmen, wichen die Löwen um Trainer Werner Lorant nach schwachem Saisonstart ab und setzten lieber auf gestandene Profis.

Burghausen und Offenbach sind hängengeblieben

"Mit Borussia Fulda in die 2. Liga aufzusteigen, das wäre schon ein Traum gewesen, zumal wir in der Anfangsphase ja auch fast nur Spieler aus der Umgebung dabei hatten“, blickt Fladung zurück und will auch gar nicht anfangen nachzukarten, zu schön sei die sportlich erfolgreichste Zeit vonstatten gegangen. Er selbst verpasste in den vier Jahren Regionalliga ganze zwei Spiele und erzielte in 134 Spielen starke 54 Treffer. Unvergessen ist aus jener Borussen-Zeit ein Doppelpack am Bieberer Berg an einem Freitagabend unter Flutlicht. Auch das Heimspiel im August 1996 vor 18.000 Zuschauern gegen Nürnberg wird immer in Erinnerung bleiben - und natürlich so manches Auswärtsspiel.

"Ein Highlight war Burghausen. Erst im ICE, dann im Regionalzug und schließlich im Bus zum Spiel. Da warst du fünf Stunden unterwegs. Wir haben aber durch vier Djappa-Tore 4:2 gewonnen und dementsprechend gut war die Heimfahrt.“ Ohnehin war die Zeit noch eine andere: Im Karstadt gab‘s allerhand Borussen-Fanartikel, Fladung und Co. reisten in die Schulen für Autogrammstunden und in der Stadt wurden die "Stars“ des Teams nicht nur manchmal, sondern eigentlich immer angesprochen. "Und weil unser Trainer Martin Hohmann sehr viel Wert auf die Gemeinschaft gelegt hat, immer die Spielerfrauen miteinbezogen hat, hat auch das Drumherum gestimmt“, erläutert Fladung, der in dieser Zeit fast täglich in der Johannisau gewesen war, gleichzeitig aber Vollzeit arbeiten gegangen ist.

Jugendtrainer und Jugendleiter in der Wahlheimat

Doch im Jahre 2000 erlag er dem Ruf des Hünfelder SV und kehrte an seine alte Wirkungsstätte zurück, wo ihn der Weg in der Saison 2003/2004 noch einmal zurück in die Oberliga führen sollte. 2006 machte Fladung schließlich den Cut und ging, nachdem er mit 26 Treffern erneut Landesliga-Torschützenkönig wurde, nach Rasdorf zurück, wo er als Spielertrainer im Jahre 2008 den Aufstieg in die Kreisoberliga schaffte. Weil der RSC nach seinem Abschied zurück in die B-Liga durchgereicht wurde, entschied er sich 2010 zur Rückkehr als Spieler, führte das Team als Torschützenkönig zurück in die A-Liga und hängte Saison für Saison dran.

2015 entschied er sich letztlich für seine Wahlheimat Mackenzell, wo er schon längst als Jugendtrainer eingestiegen war, und ließ dort bis vor wenigen Wochen seine Karriere ausklingen. Bei der TSG Mackenzell ist er nun Jugendtrainer und als Jugendleiter auch Teil des Vorstands. Eine Rückkehr ins Senioren-Trainergeschäft kann er sich daher aktuell nicht vorstellen, zumal er froh ist, dass "die TSG noch der einzige Einzelkämpfer im Altkreis im Jugendbereich ist“. Dafür lohnt es sich zu kämpfen - den Fußball lässt Marco Fladung also doch nicht so schnell los.

Wer alles am 24. Juni dabei sein wird? Klickt euch HIER rein!

Autor: Johannes Götze

Kommentieren

Vermarktung:

Mehr zum Thema

Personen