22.12.2017

Ein Fehler, der im Gedächtnis hängt

Jung-Schiedsrichter Jan Gutberlet hat schon was erlebt

Jan Gutberlet verschafft sich in gewohnt klarem, aber ruhigem Ton Gehör. Foto: Charlie Rolff

Das Schlimmste, was einem Schiedsrichter passieren kann? Wenn eine Fehlentscheidung so gravierend ist, dass sie eine Spielwiederholung nach sich zieht. So ist es Jan Gutberlet (Burghaun) ergangen. Der mittlerweile 18-Jährige blickt zurück auf den 3. September des vergangenen Jahres.

Viele KOL-Spiele hatte der seinerzeit 16-Jährige noch nicht gepfiffen, dazu stand seine erste Beobachtung in seiner nun höchsten Klasse durch Manfred Lehnardt an. Klar, ein wenig Nervosität durfte Gutberlet an jenem Freitagabend schon vor dem Spiel zwischen der SG Hessen/Spvgg. Hersfeld und Rotenburg/Lispenhausen anzumerken gewesen sein. Dennoch pfiff er lange Zeit souverän, musste vor der Pause bereits einmal glatt Rot wegen Handspiels auf der Torlinie ziehen und durfte sich spätestens nach dem 3:1-Führungstreffer der in Überzahl agierenden und turmhoch überlegenen „Hessen“ auf eine geruhsame Schlussphase freuen.

Doch nach einer Stunde passierte ein unsägliches Missgeschick: Er schickte Marcel Möller mit der Ampelkarte unter die Dusche – doch der Rotenburger war davor nicht verwarnt worden. „Die Spieler haben natürlich getobt, aber ich habe mich nicht beirren lassen. Spätestens als der Beobachter zum Coaching in die Kabine kam, wusste ich, dass es ein Fehler war“, erinnert sich Gutberlet, der zugeben muss, „dass die Spielnotizkarte schlampig ausgefüllt war und so wohl der Fehler entstand“.

Die Folgen waren verheerend: Obwohl die „Hessen“ mit 7:1 siegten, wurde das Spiel neu angesetzt – das Wiederholungsspiel endete 2:2. „Da habe ich mir natürlich gewünscht, dass Hersfeld wieder gewinnt“, sagt Gutberlet mit 15 Monaten Abstand und fügt an, „dass mir das damals unheimlich leid getan hat und auch heute noch tut“. Ein dickes Sorry in Richtung der Hersfelder, eines das gar nicht notwendig ist. "Mit hätte der Name gar nichts gesagt, das spricht ja dafür, dass ihm von unserer Seite aus niemand auch nur zu einer Sekunde böse war. Ich glaube, dass der Fehler eher bei den Verantwortlichen lag, weil so ein klares Spiel nicht neu hätte angesetzt werden dürfen", sagt Roman Prokopenko, Trainer der "Hessen", heute zu einer Situation, die vielleicht die Meisterschaft gekostet hat.

Selbstbewusst und beste Aufstiegschancen

Einen dicken Lerneffekt gab‘s für Gutberlet natürlich auch: „Ich weiß jetzt, dass die Spielnotizkarte wirklich sorgfältig zu pflegen ist, der Beobachter hat mich schon nach dem Spiel auf einige Dinge hingewiesen und die habe ich alle beherzt“. Überhaupt war Gutberlet von Lehnardts Umgang begeistert: „Er hat mich nicht runtergemacht, ganz im Gegenteil. Beobachter sind für uns wie Fußballtrainer, sie wollen, dass wir uns verbessern und geben uns Tipps.“

Die Lust an der Pfeiferei wurde Gutberlet, der bereits mit zwölf Jahren den Neulingslehrgang besucht hatte, deswegen nicht genommen. Im Gegenteil, denn im vergangenen Sommer entschied er sich endgültig, auf die Schiedsrichterei das Hauptaugenmerk zu richten: „Ich spiele jetzt nur noch selbst, wenn ich wirklich frei habe. Da bleibe ich zusätzlich fit und habe Spaß mit den Kumpels“, erklärt der Bruder des derzeit verletzten ehemaligen Hessenliga-Torwarts Tim Gutberlet (Hünfelder SV).

Wie viel an Souveränität er zugelegt hat, bewies er unter anderem im Sommer, als ihn Maximilian Kaiser für das Freundschaftsspiel zwischen SV Steinbach und Adler Weidenhausen einteilte. Mit einer Bierruhe pfiff er das Duell zwischen Hessenliga und Verbandsliga herunter. „Gerade in Seniorenspielen wollen die Spieler in den ersten Minuten austesten, was sie sich leisten können, darauf musst du vorbereitet sein“, erklärt Gutberlet ein Defizit seines jungen Alters, unterstreicht aber gleichzeitig, „dass es weniger ums Alter, sondern vielmehr um die Erfahrung geht und wenn du viel pfeifst, gewinnst du an Erfahrung, auch wenn du jung bist“.

Gutberlet gehört zu den Vielpfeifern, die somit einerseits den Spielbetrieb am Laufen halten und andererseits bei vorhandenem Talent auch die nötige Begleitung in Form von Förderung erhalten – einem schnellen Aufstieg steht nichts im Wege. „Wenn ich nicht sagen würde, dass ich als nächstes in die Gruppenliga will, dann wäre ich hier falsch. Ich bin Sportler, will aufsteigen“, unterstreicht er seine Ambitionen – ohne überheblich zu wirken. Vielmehr ist Jan Gutberlet selbstbewusst. Eine Eigenschaft, die er auch seinem Dasein als Schiedsrichter verdankt. Nur die „Hessen“ oder Rotenburg/Lispenhausen will er so schnell nicht pfeifen. Wer mag‘s ihm verdenken?

Auf geht's, werde Schiedsrichter!

In den kommenden Monaten bieten alle vier Fußballkreise Neulingslehrgänge an. Die Kosten dafür übernimmt in aller Regel dein Verein. Mindestalter ist 12 Jahre und eine gewisse Fußballaffinität sollte vorhanden sein. Anmeldungen sind direkt beim HFV möglich.

Kreis Hersfeld-Rotenburg: 20. Januar bis 27. Januar in Weiterode
Kreis Schlüchtern: 5. Februar bis 16. Februar in Herolz
Kreis Lauterbach-Hünfeld: 17. Februar bis 10. März im Raum Hünfeld
Kreis Fulda: 18. Februar bis 4. März in Rönshausen

Autor: Johannes Götze

Kommentieren

Vermarktung: