19.12.2017

Der Schiedsrichtermangel greift um sich

Maximilian Kaiser kennt Gründe

Maximilian Kaiser vertritt eine klare Haltung. Foto: privat

Spätestens wenn das Saisonende naht, gleicht der Job eines Schiedsrichter-Ansetzers einem Martyrium. Nicht nur Maximilian Kaiser, gleichzeitig Kreisschiedsrichterobmann des Kreises Lauterbach/Hünfeld, kann davon ein Lied singen.

„Vor fünf Jahren, als ich mit dem Ansetzen begonnen habe, hatte ich selbst an Sonntagen keine Probleme, Spiele kurzfristig neu zu besetzen. Mittlerweile ist das ein reiner Kraftakt, weil quasi kaum freie Schiedsrichter zur Verfügung stehen, du von unten nach oben umbesetzen musst und letztlich vielleicht ein B-Jugend- oder C-Liga-Spiel leidet, weil dafür kein Schiedsrichter mehr zur Verfügung steht“, berichtet Kaiser. Aber warum hielt in den vergangenen Jahren solch eine negative Entwicklung Einzug in den Kreisen?

Vielleicht das größte Problem ist die Senkung der Pflichtspiele eines Schiedsrichters von 15 auf 12. Rund 800 der hessenweit knapp 5000 Schiedsrichter haben in der vergangenen Saison lediglich 12 oder 13 Spiele gepfiffen. Somit genau das Soll erfüllt, um als Schiedsrichter für seinen Verein zu zählen. Stellt der Verein nicht genug Unparteiische, die eben mindestens zwölf Spiele gepfiffen und fünf Pflichtversammlungen des Kreises besucht haben, droht Punktabzug. Würden also die 800 Schiedsrichter jeweils nur drei Spiele mehr leiten, wären über 2000 Spiele hessenweit mehr besetzt.

„Die Pflichtzahl muss wieder erhöht werden, das Herabsetzen war ein großer Fehler“, sagt der 35-Jährige, der klarstellt, „dass damit auch nicht mehr bis zum nächsten Verbandstag in 2020 gewartet werden kann, sondern schon vorher eine für uns positive Entscheidung getroffen werden muss“. Denn Mathelehrer Kaiser hat noch weitgehendere Statistiken erstellt, die zwar nur auf den Erfahrungen im eigenen Kreis beruhen, allerdings in ganz ähnlicher Ausprägung für alle Kreise gelten.

"Bis 2020 dürfen wir nicht warten"

Von den 124 aktiven Schiedsrichtern im Kreis Lauterbach/Hünfeld leiteten in der abgelaufenen Saison 14,5 Prozent über 40 Prozent der Spiele. Die 18 sogenannten „Vielpfeifer“ mit mehr als 50 Einsätzen fangen eine Menge auf, gleichzeitig kamen 57,3 Prozent der Schiedsrichter auf weniger als 20 Spiele und leisten somit nur einen geringen Beitrag zur Aufrechterhaltung des Spielbetriebs. Gerade an Feiertagen, wie dem Osterwochenende, oder zu Saisonende, wenn die meisten Schiedsrichter ihre Pflicht bereits erfüllt haben, wird es eng. In der vergangenen Saison gingen die Verantwortlichen gar soweit, dass sie Vereine baten, Spiele kurzfristig auf beispielsweise einen Freitagabend vorzuverlegen, um so viele Spiele wie möglich besetzen zu können. Doppelt und dreifach waren da natürlich auch wieder Vielpfeifer gefordert.

„Und die Entwicklung ist eher negativ“, sagt Kaiser und auch hier pflichten ihm Statistiken bei: Waren zum 1. Januar 2010 noch 5663 aktive Schiedsrichter in Hessen gelistet, sind es zum 1. Juli 2017 nur noch 4961 Schiedsrichter gewesen. Und noch etwas schlägt Kaiser aufs Gemüt: „Die Qualität der Schiedsrichter leidet automatisch, wenn sie wenig Spiele, vielleicht gerade so die Pflichtzahl, pfeifen und auch selten in den Versammlungen sind.“

Logischerweise freut sich Kaiser über jede und jeden Interessenten, der sich entschließt einen der anstehenden Neulingslehrgänge zu absolvieren, erhofft sich dabei allerdings auch ambitionierte und engagierte Schiedsrichter, denen er gleich noch ein Versprechen mit auf dem Weg gibt: „Wer Freude am Pfeifen findet und mit Einsatz und Engagement dabei ist, wird von uns die bestmögliche Förderung erhalten. Und die Chancen im Schiedsrichterwesen etwas zu erreichen stehen gut.“

Auf geht's, werde Schiedsrichter!

In den kommenden Monaten bieten alle vier Fußballkreise Neulingslehrgänge an. Die Kosten dafür übernimmt in aller Regel dein Verein. Mindestalter ist 12 Jahre und eine gewisse Fußballaffinität sollte vorhanden sein. Anmeldungen sind direkt beim HFV möglich.

Kreis Hersfeld-Rotenburg: 20. Januar bis 27. Januar in Weiterode
Kreis Schlüchtern: 5. Februar bis 16. Februar in Herolz
Kreis Lauterbach-Hünfeld: 17. Februar bis 10. März im Raum Hünfeld
Kreis Fulda: 18. Februar bis 4. März in Rönshausen

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