27.12.2017

Der Lars Ricken unter den Schiedsrichtern

Andreas Börner galt als ewiges Talent

Andreas Börner (Mitte) fühlte sich im Gespann immer als drittes Team am Sportplatz. Archivfoto: Charlie Rolff

Mit 16 Kreisoberliga, mit 19 Verbandsliga – Andreas Börners Weg als Schiedsrichter schien schnell nur nach oben zu zeigen, doch dann stagnierte die Entwicklung. Mit mittlerweile knapp 800 geleiteten Spielen, als Öffentlichkeitsbeauftragter der Vereinigung Hersfeld/Rotenburg und als Trainer für die Talente ist der heute 28-Jährige der Schiedsrichterei jedoch noch immer treu.

Sich selbst nicht zu ernst nehmen, das ist ein Geheimnis, um ein guter Schiedsrichter zu sein. Andreas Börner nimmt sich keineswegs ernst, spricht selbst davon, dass er der Lars Ricken unter den Schiedsrichtern sei, eben das ewige Talent. Doch sein Licht muss er nicht zu sehr unter den Scheffel stellen: Immerhin fünf Jahre war er in der Verbandsliga aktiv, pfeift heute noch Kreisoberliga und darf sich zudem ans Revers heften, dass er bei den Aufstiegen von Manuel Kunzmann, der zwischenzeitlich 3. Liga pfiff, und Timo Wlodarczak, der aktuell in der Regionalliga aktiv ist, als Stamm-Assistent keinen unerheblichen Teil an den Aufstiegen besitzt: „Timo hat bei mir an der Linie gelernt und dann habe ich ihn hochgewunken“, sagt Börner und lacht herzlich. Als Börners eigene Karriere stagnierte, war er Wlodarczaks Stamm-Assistent, vorher war es andersherum.

Mittlerweile ist Börner wieder Einzelkämpfer, pfeift Kreisoberliga („Da habe ich mich auch von der Statur her ganz gut angepasst“) und coacht Talente, bevor sie in die Beobachtungen gehen. „Als ich 2002 den Schein gemacht habe, saßen wir mit fast 30 Leuten beim Lehrgang, zwei davon sind noch aktiv“, erklärt der Braacher und verweist auf die kleineren und größeren Probleme beim Start in eine Schiedsrichter-Laufbahn: „Gerade in den ersten Spielen ist es schwierig, da spielen nicht die Spieler die Hauptrolle, vielmehr hysterische Eltern und Verantwortliche. Deswegen haben wir mittlerweile ein Patenprogramm, stellen den Jung-Schiedsrichtern erfahrene Kollegen beiseite.“ Mittlerweile werde deutlich mehr in die Ausbildung investiert, als dies noch zu Börners Anfangszeiten üblich gewesen sei. Und auch vor dem Lehrgang an sich müsse niemand Panik schieben, „weil jeder Teilnehmer zunächst einmal ganz, ganz viel Unterstützung erwarten kann und wir einen lockeren wie offenen Umgang pflegen“.

Schiedsrichter sind das dritte Team

Börner ist ohnehin sehr bemüht, Nachwuchs zu generieren. Als Öffentlichkeitsbeauftragter seiner Schiedsrichter-Vereinigung schreibt er in aller Regelmäßigkeit launische Pressetexte, nimmt seinen Job ernster als dies viele seiner Kollegen tun. „Das Problem ist doch, dass in manchen Medien der Schiedsrichter nur erwähnt wird, wenn er negativ aufgefallen ist. Ich versuche deswegen, unsere Gilde ins rechte Licht zu rücken.“ Und gerade in diesen Zeiten ist das kein leichter Job, schließlich stehen die Unparteiischen nicht nur wegen des Videobeweises in der Generalkritik.

„Es ist schon immer so, dass wir im Amateurbereich sonntags das verteidigen müssen, was samstags in der Bundesliga schief gelaufen ist. Aber das ist nicht schlimm, gehört ganz einfach dazu“, betont Börner, um anzuschließen, dass er über die Jahre hunderte Anekdoten erzählen könnte: „Ich habe uns Schiedsrichter immer als drittes Team wahrgenommen, wir haben zu den Spielern einen offenen Umgang gepflegt, haben gefeiert, es sind Freundschaften entstanden. Noch heute scherzt du manchmal mit Spielern, die du vor Jahren vom Platz gestellt hast.“

Auf geht's, werde Schiedsrichter!

In den kommenden Monaten bieten alle vier Fußballkreise Neulingslehrgänge an. Die Kosten dafür übernimmt in aller Regel dein Verein. Mindestalter ist 12 Jahre und eine gewisse Fußballaffinität sollte vorhanden sein. Anmeldungen sind direkt beim HFV möglich.

Kreis Hersfeld-Rotenburg: 20. Januar bis 27. Januar in Weiterode
Kreis Schlüchtern: 5. Februar bis 16. Februar in Herolz
Kreis Lauterbach-Hünfeld: 17. Februar bis 10. März im Raum Hünfeld
Kreis Fulda: 18. Februar bis 4. März in Rönshausen

Autor: Johannes Götze

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