05.04.2018

"Fehlendes Geld für Misere entscheidend"

Tim Ullrich über die SG Hersfeld, seinen Wechsel und die heutige Spielergeneration

Tim Ullrich (rechts) muss sich nicht verstecken, auch nicht nach seinem Wechsel zu Adler Weidenhausen. Foto: Friedhelm Eyert

So ganz überraschend kam die Nachricht, dass Tim Ullrich den SVA Bad Hersfeld in Richtung Adler Weidenhausen verlassen wird, nicht. Warum sich der 23-Jährige diesmal zum Wechsel durchringen konnte und was er seinem Heimatverein mit auf den Weg gibt, erklärt er im Gespräch.

Tim, du standest auch schon in den vergangenen Jahren auf dem Zettel der Adler. Wie ist die enge Connection zustandegekommen?

Durch mein Lehramtsstudium in Kassel habe ich einige Weidenhausener kennengelernt, zumal mein Kumpel und WG-Mitbewohner Simon Ewald ja auch schon von Asbach nach Weidenhausen gewechselt ist und viele Weidenhausener wie Johannes Klotzsch oder Jan Gerbig in Kassel studieren und leben. Und das sind alles Jungs, die charakterlich einwandfrei sind, was für mich sehr wichtig ist.

Der Hauptgrund? Oder doch eher die Spielklasse?

Ich kann mit der heutigen Generation wenig anfangen, nämlich wenn Spieler mit unterem Kreisoberliga-Niveau Handgelder aufrufen, die kein Gruppenligist mehr zahlen kann. Geld sollte nicht der Hauptgrund sein, sondern vielmehr die sportliche Herausforderung und ich will jetzt wieder in der Verbandsliga zeigen, was in mir steckt.

Erst einmal scheint ein gesundetes Knie in dir zu stecken. Das stand dir in den vergangenen Jahren ja immer wieder im Wege…

Mein Knie ist wieder vollkommen in Ordnung, das haben mir die Ärzte kürzlich bestätigt. Ich habe mit meiner Zusage in Weidenhausen auch so lange abgewartet, bis ich die Bestätigung hatte, aber selbst wenn es nicht so gewesen wäre, hätte ich wohl zugesagt, weil die Entscheidung eigentlich bereits im August feststand.

Seinerzeit hattest du in einem Interview mit Torgranate bereits angekündigt, den Weg nach oben suchen zu wollen…

Ich hätte auch schon im vergangenen Sommer nach Weidenhausen wechseln können. Aber einerseits wollte ich die Entwicklung meines Knies abwarten und andererseits hat mein Vater Frank ja noch einmal die Mannschaft übernommen und ich ihm zugesichert, diese eine Saison noch zu bleiben.

Jetzt spricht schon keiner mehr von Gruppenliga-Klassenerhalt, sondern nur von einer möglichen Spielgemeinschaft mit der SG Hessen/Spvgg. Bist du ein Befürworter?

Absolut! Ich finde eine Spielgemeinschaft sogar alternativlos und gleichzeitig als große Chance für den Fußball in Hersfeld. Es ist ganz einfach so, dass die wenigen Kräfte gebündelt werden müssen und so vielleicht auch wieder höherklassigen Fußball garantieren könnten, denn nur so kannst du eben dem einen oder anderen Spieler ein attraktives Paket schnüren.

Jenes Paket bestünde dann nicht nur noch aus Fußball, sondern auch aus Geld?

Genau. Es ist bekannt, dass bei den Hessen oder bei uns nichts zu verdienen ist. Ich glaube ganz einfach, dass das fehlende Geld auch entscheidend dafür ist, dass Asbach auf dem Weg in die Kreisoberliga ist, denn nachdem wir immer wieder Leistungsträger wie Julian Wehner, Romeo Schäfer oder Sebastian Schuch verloren haben, konnten diese nicht ersetzt werden und nun ist die sportliche Perspektive eben auch nicht mehr die beste.

Sprich: Schafft eine SG Hersfeld irgendwann wieder den Sprung in die Verbandsliga, könnte sie auch wieder mit einem Tim Ullrich planen?

Mir schmerzt es jetzt schon, meinen Verein zu verlassen. Und natürlich wäre wahrscheinlich nicht nur ich gewillt, bei einem solchen Projekt wieder dabei zu sein. Es gibt ja auch noch andere Spieler wie Nils Wenzel oder André Deneke, die für Verbandsliga-Fußball prädestiniert wären – aber wir sollten den dritten Schritt nicht vor dem ersten denken und deswegen drücke ich bei jedem Treffen der möglichen Spielgemeinschaft die Daumen, damit diese auch zustandekommt.

Autor: Johannes Götze

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