20.12.2017

torgranate-Analyse: SV Steinbach

Die Zeichen stehen auf Abstieg / Unnötige Unruhe

Grafik: Carlos Viering

Die Winterpause bietet Zeit zum Reflektieren. Auch bei uns: Wir haben uns die osthessischen Hessenligisten für eine kleine Analyse zur Brust genommen. Heute ist der SV Steinbach an der Reihe.

So lief die bisherige Runde:

Aus rein sportlich gesehener Brille: mangelhaft! Nur zwei Siege nach 18 Spielen stellen die Hessenligatauglichkeit mehr denn je infrage. Allerdings weiß der Vorstand die Situation einzuschätzen, manch einer geht sogar soweit und vergleicht jedes Hessenliga-Heimspiel mit einem Champions-League-Finale. Jedoch wurde nur das „Finale“ gegen Baunatal gewonnen, dazu gelangen gleich zu Beginn der Serie der Husarenstreich bei Teutonia Watzenborn-Steinberg und ein Remis zuhause gegen Lehnerz. Vielmehr Highlights hatte die Serie nicht zu bieten, auch wenn Spielertrainer Petr Paliatka kein großer Vorwurf zu unterbreiten ist: Er verfolgt eine klare Spielidee, versucht der Mannschaft eine defensivere Grundordnung beizubringen, jedoch fehlt es auch ob zahlreicher Verletzter und vergleichsweise kleinem Etat schlichtweg an Qualität.

So haben die Neuzugänge eingeschlagen:

Mahsuni Algac: Wurde als Back-up für Keeper Marco Motzkus verpflichtet. Ohne Spielminute, außer ansehnlicher Halbzeitshows nicht zu bewerten.

Pascal Manß: Sicherlich der Neue, der am meisten unterschätzt wurde und letztlich den besten Eindruck hinterließ. Seine körperlichen Defizite (vor allem in der Robustheit) gleicht er mit immenser Willensstärke, Unbekümmertheit und Geschwindigkeit auf dem Offensivflügel aus. Mit rund der Hälfte der möglichen Spielminuten darf er sich schon zu den ganz wichtigen Bestandteilen des Teams zählen.

Marius Müller: War so schnell weg, wie er da war. Hielt sich – mehr als nachvollziehbar – solidarisch mit Vater Karl-Josef und verließ den Verein nach dem auch gegen ihn gerichteten Drohbrief mit weiterhin unbekanntem Ziel.

Max Schäfer: Stieß wie Algac erst im August zur Mannschaft, deutete allerdings bei mittlerweile acht Kurzeinsätzen sein Potenzial immer wieder an, dazu erzielte er in Waldgirmes ein ganz wichtiges Tor, das zu einem Punkt verhalf. Wie Manß ein Mann der Zukunft.

Vuk Toskovic: Vormals Reservist bei Rot-Weiss Frankfurt, sollte er eine tragende Rolle in der Offensive einnehmen – doch die schlechten Spiele überbieten die guten. Richtig überzeugen konnte er gegen Lehnerz und bei Steinbachs schlechtestem Spiel gegen Vellmar (4:6), als er sein einziges Tor erzielte und drei weitere vorbereiten konnte.

Ferhat Yildiz: Wirkte als Linksverteidiger in manchem Spiel überfordert, hat viel Offensivdrang, vergisst manchmal allerdings seine Defensivaufgaben, die nunmal sein Kerngeschäft sein sollten.

In Erinnerung bleibt:

Der Brief, inklusive der Rücktritte von Trainer Müller und Spieler Müller, sowie der anschließenden Pressekonferenz, in der Berthold Helmke aus dem Führungsteam einen rund zehnminütigen Monolog hielt. Es ist eine unsägliche Geschichte, dass ein „Fan“ sich eine solch starke Lobby verschafft und dadurch Trainer zum Stürzen bringt, indem er Drohbriefe schreibt und verschickt. Dies gleicht beinahe dem Straftatbestand einer Erpressung, nach dem Motto: „Haut ihr nicht ab, dann mach ich euch fertig.“ Das ist die Quintessenz eines Themas, das auch die Mannschaft ins Wanken brachte – und alle Beteiligten, die ihre liebe Mühe hatten, den Verein wieder in ruhigere Fahrwasser zu manövrieren. Der Schaden ist kaum zu beziffern, vielleicht lautet er am Ende „Abstieg“. Herzlichen Glückwunsch! Nicht!

Ausblick:

Das zweite ist auch in Steinbach das bekanntermaßen schwierigere Jahr. Hielt der SVS schon im Sommer nur die Klasse, weil die Sportfreunde Seligenstadt aus der Hessenliga zurückzogen, scheint es diesmal noch enger zu werden. Ja mit Blick auf die Tabelle fast unmöglich, schließlich drohen mindestens vier Absteiger. Und so stellt sich vor allem auch die Frage, wie sich der SVS für die kommende Saison aufstellen will. Vielleicht wäre der Weg, vor allem auf die Einheimischen und jungen Wilden zu setzen, das richtige Zeichen.

Autor: Johannes Götze

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