02.11.2017

Das Trickkisten-Repertoire ist dieses Mal begrenzt

Hessenliga: Gebeutelte Borussen gegen selbstbewusste Lehnerzer

Vor zwei Jahren jubelte Henry Lesser noch für einen Derbysieg des TSV Lehnerz. Archivfoto: Charlie Rolff

Nachdem die Hessenliga-Derbys zwischen Borussia Fulda und dem TSV Lehnerz in den vergangenen beiden Saisons immer schon nach dem vierten Spieltag über die Bühne gegangen waren, kommt es in dieser Spielzeit erst am 17. Spieltag zum Nachbarschaftsduell. Entsprechend unterschiedlich sind die Ausgangslagen vor dem Spiel am Samstag (14.30 Uhr) in der Johannisau.

Für den neuen Borussen-Trainer Henry Lesser kommt es zum Wiedersehen mit seinem Ex-Verein, bei dem er von 2012 bis 2016 das Sagen hatte. „Nicht nur das Spiel, die ganze Situation ist für mich besonders. Schließlich hatte ich noch nie zuvor eine Mannschaft in der Saison übernommen und dazu auch noch nie so ein Verletzungspech gehabt“, sagt Lesser, der im Vergleich zum Heimspiel gegen Neu-Isenburg (1:1) zusätzlich noch auf Kevin Hillmann (Auslandssemester) verzichten muss. Denis Mangafic und Matija Poredski sind dagegen weiterhin wohl keine Optionen.

Umso schwieriger für Lesser, in die Trickkiste zu greifen. Dafür ist der 54-Jährige in Derbys bekannt, Borussia Fulda wurde vor zwei Jahren auch deshalb besiegt, weil Kemal Sarvan völlig überraschend im Sturm aufgeboten wurde. Dieser zahlte das Vertrauen mit zwei Toren und einer Vorlage beim 4:1-Sieg zurück. „Diesmal kann ich nicht überraschen“, kündigt der SCB-Trainer beim Blick auf die Verletztenliste schon vorher an. „Wir müssen gegen Lehnerz kompakt stehen und dürfen nur wenig zulassen. Dann können wir dieses Spiel auch gewinnen.“

Hoffnung macht das erste Heimspiel zurück auf der Trainerbank unter Lesser, obwohl es gegen Aufsteiger Neu-Isenburg keinen Sieg gab. „Von den Anlagen her war das gar nicht so schlecht. Wir haben bis zur 60. Minute nichts zugelassen, es aber verpasst, das zweite Tor zu machen. So wurden wir noch bestraft.“ Dafür imponierte dem Übungsleiter der Aufwand, den seine Truppe nach dem Ausgleichstreffer noch betrieb. „Der Wille war absolut da, das hat man gemerkt.“

Einzige Lehnerzer Saisonniederlage gab es in einem Derby

Dennoch blieb der SCB auch im vierten Spiel in Folge ohne Sieg und geht so als Tabellenzehnter ins Derby. Von der Konstellation will sich Marco Lohsse, Trainer des Tabellenführers aus Lehnerz, jedoch keineswegs blenden lassen. „Die Borussen sind stärker, als sie in der Tabelle da stehen. Wir wollen uns von der Tabellenstituation nicht blenden lassen“, betont der TSV-Coach.

Denn auch ohne die fehlenden, verletzten Spieler habe der SCB noch reichlich Qualität auf dem Platz: „Da stehen immer noch sechs, sieben Spieler auf dem Feld, die am Anfang der Saison gespielt haben und bereits Regionalliga-Erfahrung haben“, betont Lohsse, der im gleichen Atemzug darauf verweist, dass ja auch der TSV Lehnerz auf einige Spieler verzichten muss. Steven von der Burg und Andre Vogt fehlen bereits die ganze Saison, auch Ex-Borusse Alexander Reith ist schon eine ganze Weile auf der Verletztenliste.

„So ein Derby ist immer ganz interessant und hat seine eigenen Gesetze“, weiß Lohsse und spielt dabei auch auf die 0:2-Pleite in Flieden – der einzigen Lehnerzer Saisonniederlage – an. „Wir wissen, wie schwierig es ist. Aber wir spielen bis jetzt eine super Saison, womit keiner gerechnet hätte. Jetzt haben wir vor der Winterpause noch fünf wichtige Spiele. In Fulda wollen wir definitiv etwas mitnehmen, wir werden aber nicht so blauäugig sein, dass wir mit aller Macht gewinnen wollen.“

Mit Lesser und Lohsse stehen sich dabei erstmals zwei Coaches gegenüber, die in Lehnerz als Trainer der ersten Mannschaft (Lesser) und Reserve (Lohsse) lange Zeit zusammengearbeitet haben. „Es ist schön, dass man sich so früh nach seiner Rückkehr zu Borussia über den Weg läuft. Ich wünsche ihm dort viel Erfolg, allerdings erst nach unserem Spiel“, so Lohsse schmunzelnd.

Autor: Steffen Kollmann

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