19.10.2017

Bommer: "Davor ziehe ich den Hut - und ich war Profi"

Hessen Dreieich wird seiner Favoritenrolle gerecht

Rudi Bommer trainiert Hessen Dreieich seit Januar 2016. Foto: Charlie Rolff

Wurden vor der Saison die Titelfavoriten in der Hessenliga abgefragt, wurde Hessen Dreieich in einem Atemzug mit Teutonia Watzenborn-Steinberg und Borussia Fulda genannt. Während die beiden Letztgenannten den eigenen Ansprüchen noch hinterherhinken, wird der amtierende Hessenmeister, der in der abgelaufenen Spielzeit noch auf den Aufstieg in die Regionalliga verzichtet hatte, den Erwartungen gerecht.

Dabei startete die Elf von Trainer Rudi Bommer holprig in die Saison, holte in den ersten zwei Spielen (0:0 gegen Ederbergland, 1:2 gegen Lehnerz) nur einen Punkt. „Es ist immer schwierig, wenn du gegen Mannschaften wie Ederbergland spielst, die gar kein Interesse daran haben, gegen dich mitzuspielen, sondern mit Mann und Maus verteidigen und darauf hoffen, dass ihnen in der Offensive der liebe Gott hilft. Selbst Bayern München tut sich in der Bundesliga damit schwer. Trotzdem sind wir nicht nervös geworden, dafür bin ich schon zu lange in diesem Geschäft“, sagt Bommer, der den Stotterstart auf die Spielplangestaltung zurückführt. „Das Spiel gegen Borussia Fulda ist uns noch immer ein Dorn im Auge. Da verstehe ich den Klassenleiter auch nicht. Es war von Anfang an klar, dass Fulda die ersten Wochen nicht im Stadion spielen kann. Wieso dann ausgerechnet wir am zweiten Spieltag dort spielen sollen, ist mir ein Rätsel. Zumal uns die Ansetzung im neuen Jahr stört, wir hätten gerne noch in diesem Jahr in Fulda gespielt - auch unter der Woche“, ärgert sich der frühere Bundesliga-Trainer noch immer.

Beeindruckt ist Bommer aber davon, wie seine Mannschaft damit umgegangen sei: Alle möglichen 27 Punkte wurden seitdem eingefahren. „Wir konzentrieren uns einfach auf unsere Leistungen und lassen uns von möglichen Störfeuern nicht ablenken, auch wenn der Spielplan zuletzt schon sehr fragwürdig ist. Ich denke, es ist auch legitim, das mal zu hinterfragen“, spielt Bommer auf die Tatsache an, dass Dreieich zuletzt mehrfach unter der Woche oder freitags spielen musste. „Wir hätten die Verlegungswünsche unserer Gegner natürlich auch ablehnen können, aber wir sind der Meinung, dass es zu einem guten Miteinander in der Liga gehört, auf die gegenseitigen Wünsche einzugehen.“

So stecken die Hessen inmitten einer knackigen Woche. Mehr als 200 Kilometer einfache Fahrt mussten am Dienstag für das Hessenpokalspiel gegen Weidenhausen (5:3-Erfolg nach Verlängerung) zurückgelegt werden, während am Freitag das Gastspiel in der Hessenliga in Hadamar (gut 80 Kilometer einfache Fahrt) bevorsteht. „Ich ziehe den Hut davor, was meine Spieler derzeit leisten. Das sind alles Amateure, die noch arbeiten gehen – ich hingegen war Profi früher und weiß, was englische Wochen mit dem Körper machen. Zumal Ralf (Weber, Co-Trainer; Anm. d. Red) und ich eine Menge von den Spielern verlangen“, lobt der 60-Jährige seine Mannen.

Den tollen Start will Bommer aber nicht überbewerten, schließlich müsse Dreieich in dieser Saison noch 21 Spiele bestreiten. „Wenn wir diesen Weg so weitergehen und den Punkteschnitt bis zur Winterpause halten, würde ich sagen: 'Hallo! Wir sind da!' Noch ist das aber viel zu früh“, erklärt Bommer, der außerdem sagt: „Es wäre ein Fehler, wenn wir Watzenborn-Steinberg und Borussia Fulda abschreiben würden. Beide Mannschaften verfügen über enorme Qualitäten und ich bin mir sicher, dass sie noch oben angreifen werden. Lehnerz und Alzenau muss man sowieso auf dem Zettel haben, zumal beide Teams vom großen Verletzungspech bislang verschont geblieben sind“, sagt Bommer, der sich auf ein spannendes Aufstiegsrennen einstellt. Klar ist derweil: Bei einer erneuten Meisterschaft würden die Südhessen den Sprung in die vierte Liga dieses Mal definitiv wagen.

Autor: Max Lesser

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